Lotte über Sehnsucht, Melancholie und Geborgenheit

Lotte

Lotte über Sehnsucht, Melancholie und Geborgenheit

Lotte heißt eigentlich Charlotte Rezbach, aber so nennt sie kein Mensch. Seit frühester Kindheit ist Lotte Lotte und nun also auch als Musikerin. Das ist nicht zuletzt deshalb interessant, weil der Name Lotte gewisse Assoziationen weckt. Man denkt sofort an starke Mädchen mit aufgeschlagenen Knien, mit Humor, Mut und Durchsetzungsvermögen. Songs wie die erste Single „Auf beiden Beinen“ erzählen von der Sehnsucht nach einer Freiheit, die nicht möglich ist ohne Geborgenheit. Es ist die eine Künstlerin, auf die man lange gewartet hat in diesen Tagen.

Lotte-Kai-MarksHi Lotte, im Oktober 2016 bin ich das erste Mal durch Zufall über dich beziehungsweise dein Video zu „Wer wir geworden sind“ gestolpert. Der Song ist sehr intim, der Text sehr „erwachsen“ und das erstaunt bei einem so jungen Menschen sehr. Trägst du schon immer diese Melancholie in dir?
Oh ja, das stimmt: Ich bin großer Fan von Melancholie! Was aber nicht heißt, dass ich tagein tagaus in die Ferne gucke und vergeblicher Liebe hinterher singe. Ganz im Gegenteil: Ich bin ein ziemlicher Lebemensch. Aber ich lieb es eben auch zu träumen und mich zu hundert Prozent in Gefühle fallen zu lassen. Vor allem beim Liederschreiben. Und so ein bisschen verträumt bin ich wohl schon immer.

In der offiziellen Presseinfo heißt es, dass du schon von Kindesbeinen Gitarre, Klavier und auch Geige spielst. Erzähl’ doch ein bisschen über deinen musikalischen Werdegang vor Oktober 2016…
Meine erste Geige habe ich mir mit fünf Jahren auf die Schulter gelegt. Die klassische Musik, die ich darauf zum Leid aller Anwesenden mehr gekratzt als gespielt habe, war sicher eine gute Schule. Aber als ich dann irgendwann eine Gitarre zwischen die Finger bekommen habe, war es um mich geschehen. Von da an gings bergauf und mit der ersten kleinen Verliebtheit ist dann auch der erste eigene Song entstanden. Erst auf Englisch und dann, als mir das nicht nah und direkt genug war, auf Deutsch. Das war immer schon wie Tagebuchschreiben für mich. Und nach den ersten kleinen Konzerten in meiner Heimat hatte ich mich schließlich auch in die Bühne verliebt und damit war klar, dass ich das so oft und viel wie möglich machen möchte.

…und dann ging plötzlich alles ganz schnell und schwupps, warst du im Vorprogramm von Max Giesinger, Benne und Johannes Oerding! Was war das für ein Gefühl, das erste Mal vor so einem großen Publikum zu spielen?
Es war überwältigend! Ganz alleine da oben mit meiner E-Gitarre vor Hunderten von Leuten. Da meine Songs alle sehr ehrlich sind, fühlt man sich auch jedes Mal wieder aufs Neue wie nackt auf der Bühne. Aber so sehr ich vor den Shows aufgeregt war, so wenig wollte ich am Ende, dass es zu Ende geht. Und mit der Zeit ist mir vor allem eines klar geworden. Nämlich, dass ich eine Band möchte! Um laut zu sein, die Halle zum Beben zu bringen, und dann wieder komplett runterfahren und die Töne schweben zu lassen. Die ganze Bandbreite Gefühl eben.

Du kommst aus Ravensburg: Was assoziierst du ganz spontan mit deiner Heimatstadt?
Rutenfest. Das ist unser traditionelles Stadtfest; eine Woche im Jahr, in der die Stadt Kopf steht. Und es kommen auch viele Studenten und alte Freunde zurück in die Heimat. Ne Menge Freude und Liebe auf einem Haufen.

Lotte, du bist noch verhältnismäßig jung. Ist ein Studium oder eine Ausbildung bei dir Thema oder setzt du alles auf die Musik-Karte?
Alles auf eine Karte! Ich mach die Dinge gern ganz oder gar nicht.

Glaubst du, dass man als kleiner Act die Großstadt braucht um es zu schaffen oder schafft man es auch aus dem Kaff auf die großen Bühnen?
Ich bin riesig froh so aufgewachsen zu sein, wie ich es bin. Und der Großteil, der mir bekannten Musiker und Songschreiber, kommen ebenfalls nicht aus der Großstadt. Wir sind fast alle auf Bäumen herumgeklettert und durch Wiesen gerannt. Allerdings wohnen in der Großstadt eben doch viele gute Produzenten und all die Musiker, die früher oder später aus der Kleinstadt weggezogen sind. Für mich jedenfalls hat kein Weg daran vorbei geführt.

Lotte-2Am 31. März ist deine erste Single erschienen: „Auf beiden Beinen“. Man hört dich zum ersten Mal mit Band und das steht der Musik verdammt gut. Gehe ich richtig der Annahme, dass das Lied einem Elternteil von dir „gewidmet“ ist?
Auch! „Auf beiden Beinen“ handelt grob gesagt von der Sehnsucht nach Freiheit, danach auszubrechen und viel zu erleben; und gleichzeitig von dem Bedürfnis nach Geborgenheit und Sicherheit. Ich war in den letzten Jahren viel unterwegs und bin häufig umgezogen. Da kam es oft vor, dass ich mich von Menschen verabschieden musste, die ich ins Herz geschlossen hatte. Bei mir trifft das also auf Freunde zu und natürlich auch auf meine Eltern.

Innerhalb weniger Tage hatte das Video zur Single über 20.000 Klicks. Macht dir das Mut für dein Debütalbum „Querfeldein“, dass im Sommer erscheinen soll?
Auf jeden Fall! Ich kann es kaum erwarten! Und freu mich natürlich riesig, dass meine Musik so gut ankommt.

…und überhaupt: Was darf man auf dem Album erwarten?
eine Menge Gefühl! Wenn ich auf ein Konzert gehe, dann will ich tanzen! Und ich will die Melancholie. Deshalb wird man auf meinem Album beides finden. Songs bei denen Lautdrehen angesagt ist und solche, die auch leise können.

Im Sommer wirst du – vermutlich mit Band – auch deine ersten Festival-Shows absolvieren. Was darf im Gepäck auf keinen Fall fehlen?
Ganz viel gute Laune! und meine Gitarre.