Johannes Oerding über sein Album und seine Großeltern

1081309-51797I44228

Johannes Oerding über sein Album und seine Großeltern

Wenn sich ein Künstler, der in seiner konstant ansteigenden Karriere auf gold- und platinveredelte Alben sowie ausverkaufte Tourneen in immer größeren Hallen zurückblicken kann, an die Arbeit zu neuen Songs macht, steht er – wie jeder Songwriter mit Anspruch – vor der Herausforderung, künstlerisch Orte zu finden, an denen er noch nicht war. Sich treu zu bleiben und dabei neue Wege zu gehen. Viele Künstler halten in so einem Moment vorsichtshalber an Bewährtem fest – andere wiederum blühen geradezu auf, weil sie niemandem mehr etwas beweisen müssen. Am 5. Mai erscheint das neue Album „Kreise“ von Johannes Oerding und wir haben nachgehakt, wie er es gemacht hat…

Interview: Tom Jentsch

1081309-51787I44218Am 5. Mai erscheint dein fünftes Album „Kreise“. Wie lange ist es denn schon fertig?
Es ist seit Mitte März komplett fertig, aber gepresst halte ich es erst seit Ende April in den Händen!

„Für immer ab jetzt“ ging 2013 auf Platz 4 und „Alles brennt“ zwei Jahre später auf Platz 3 in den Charts… Spürst du da jetzt auch Druck die Serie fortzusetzen, oder ist das alles ganz easy und du schaust, was geht?
Es wäre sicherlich schön für die Diskografie, wenn es weiter nach oben geht, aber die Luft wird halt auch immer dünner – gerade wenn man im Frühjahr oder Herbst veröffentlicht. Da sind fast alle unterwegs, um rechtzeitig vor den Touren rauszukommen. Um meinen guten Freund Ole Specht (Tonbandgerät) zu zitieren: „Die Biene sticht von hinten!“ Also lieber nen langen Atem haben und einen längeren Zeitraum präsent sein, als nen kurzen Hype zu haben.

Ich hab nen lustigen Clip zum Album gesehen, wo du die verschiedenen erhältlichen Formate erklärst. Was lief denn bei deinen Eltern für Musik und was verbindest du musikalisch mit deinen Großeltern?
Meine Mutter hat alles gehört, aber ihre Favoriten waren Joe Cocker und die Beegees. Umso schöner, dass ich viele jahre später Joe Cocker auf seiner letzten Tour supporten durfte. Mein Vater hat klassische Musik gehört. Davon hab ich aber nichts abbekommen. Bei meinen Großeltern kann ich mich nur an Live-Musik erinnern, meine Oma hat mir immer am Klavier was vorgespielt und wir haben gemeinsam gesungen.

Zur Premium-Version des Album gibt’s ne Bonus-Disc mit sechs akustischen Songs, also nur deine Stimme und eine Gitarre. Wird sowas auch Teil der kommenden Tour sein?
Auf jeden Fall! Ich war immer ein Freund von verschiedenen Highlights bei einem Live-Konzert. Spätestens bei ner Zugabe greif ich nochmal allein zur Gitarre oder setz mich ans Klavier.

Du hast gesagt, dass das neue Album nicht besser als die vorherigen ist – aber vielfältiger. Auch weil du diesmal mit auf dem Produzentensessel saßt?
Nein, ich glaube weil ich einfach älter geworden bin und mich an mehr Themen rangetraut habe. Außerdem ist in der Welt soviel geschehen, was mich und viele Menschen aus meinem Umfeld bedrückt oder beeinflusst und ich habe mich bei diesem Album ein bisschen mehr damit auseinandergesetzt.

1081309-51789I44220Im Albumtitel „Kreise“ steckt ja auch „Reise“, bist du permanent unterwegs, oder ist das neue Album auch irgendwie ankommen, bist du also am Ziel?
Immer noch unterwegs! I love it!

Samy Deluxe ist ein Gast auf dem Album, gibt’s weitere?
Samy hat mit mir einen ganz wichtigen Song auf dem Album geschrieben „Weiße Tauben“. Deshalb so besonders, weil es einer meiner ersten politischen Ansätze ist. Feature-Gäste gibt es aber auf der Platte insgesamt nicht, aber viele Co-Writings mit anderen Musikern.

Neben deinem neuen Album hast du ja auch mit deiner Partnerin Ina Müller zusammen deren neues Album geschrieben. Zusammen wohnen könnt/wollt Ihr nicht, aber zusammen arbeiten scheint prima zu funktionieren, oder?
Es ist immer eine große Freude gemeinsam kreativ zu werden und trotzdem unabhängig zu leben! Und so lange es funktioniert…