Das Phänomen Wanda im Interview

Wanda-Pressebilder-2017---CMS-Source(2)

Das Phänomen Wanda im Interview

Mit Wanda hat man endlich wieder eine Band zum Lieben und zum Hassen. Für die einen „die vielleicht letzte wichtige Rock’n’Roll-Band unserer Generation“ (Zitat Musikexpress), für die anderen reduzierbar auf Kneipe, Alkoholismus und Verfallsmetaphysik. „Amore“ – die Platte, die bereits Tage nach ihrem Erscheinen als „ewiger Klassiker“ bezeichnet wird, hält sich spektakuläre 102 Wochen in den Österreichischen Albumcharts. Der Nachfolger „Bussi“ aus dem Jahr 2015 hält sich schließlich ganze vier Wochen auf Platz 1. Wanda sind ein popkulturelles Phänomen. Am 6. oktober erscheint das neue Album „Niente“. Mit Bassist Reinhold „Ray“ Weber haben wir über das Phänomen „Wanda“ gesprochen…

Ray, gerade steht Promo auf dem Programm, dann noch ein paar Festivals und dann die Tour. Aber wie weit in die Zukunft ist euer Weg schon verplant? Checkt ihr schon Shows & Festivals für 2019 oder bewahrt ihr euch da auch eine gewisse Spontanität?
Da arbeiten wir natürlich eng mit unserer Bookingfirma zusammen und die plant schon weit in die Zukunft – aber das machen ja alle gleich. Wenn jetzt jemand zu uns kommt und weiß, dass er in 2047 eine Veranstaltung machen will, mit der wir uns identifizieren können, dann sagen wir da natürlich zu. Bleibt halt die Frage, ob wir da alle noch unsere Instrumente in Händen halten können (lacht).

Das heißt, ihr seht euch auch noch in zehn, zwanzig Jahren auf der Bühne?
Auf jeden Fall! Wir haben uns geschworen, unsere Philosophie so lange wie möglich in die Welt zu tragen. Wir sind alle Vollblutmusiker und wollen den Menschen etwas geben – auch wenn wir jetzt nicht gerade eine Weltband sind.

Ihr habt seither schon eine imposante Karriere hingelegt, gerade mal vor fünf Jahren gegründet und jetzt kommt bald das dritte Album. Ausverkaufte Touren und wochenlange Chartspräsenz…
Jahrelang! „Amore“ war in Österreich über ein Jahr lang in den Charts – und ist jetzt natürlich wieder in den Charts. Wie damals, als die zweite Platte „Bussi“ rauskam, war die auf Platz 1 und „Amore“ dann auf Platz 2! Wahnsinn eigentlich, aber naja – auch voll schön!

Wanda-Pressebilder-2017---CMS-SourceHabt Ihr euch denn mit „Niente“ bewusst etwas mehr Zeit gelassen, als mit den Vorgängeralben?
Bewusst – naja, unser Leben hat uns da hingeführt. Wir haben 2016 einfach so viel gespielt, dass wir gar nicht dazu gekommen sind, die Produktion anzugehen. Das Album an sich war schon 2016 fertig, aber uns fehlte die Zeit es zu produzieren.

Stichwort Produktion; da habt ihr zum dritten Mal wieder mit Paul Gallister gearbeitet. Gehört der mittlerweile zur Familie und ist auch fürs nächste Album nach „Niente“ dann schon wieder gesetzt?
Naja, der ist auf jeden Fall das sechste Mitglied. Und wenn er Bock hat das Album wieder zu machen, warum nicht?

Ihr habt also nicht so „Traumkandidaten“ auf dem Produzentensessel, wo ihr vielleicht selbst viele Alben im Schrank stehen habt? Rick Rubin oder so jemand?
(lacht) Ich hab irgendwie gewusst, dass du Rick Rubin sagen wirst! Witzig! Aber nein, wir haben einfach das Glück gehabt, dass wir „unseren“ Produzenten schon so früh in unserer Laufbahn gefunden haben. Er versteht einfach unsere Philosophie und unsere Art Musik zu machen, warum sollten wir jemand neues dazu holen, wenn wir so ein perfekt eingespieltes Team sind? Wenn es sich nach dem siebten, zehnten oder zwanzigsten Album dann nicht mehr gut anfühlt, dann rufen wir halt Rick Rubin an!

Die Plattenfirma hat auch gar nicht erst versucht euch nen hippen Starproduzenten schmackhaft zu machen?
Nein, da haben wir Gott sei Dank die Freiheit, dass wir unsere Musik völlig unangetastet von außen so schreiben können wie wir uns das vorstellen.

Und wie entstehen die Songs bei euch? Steht ihr alle zusammen im Proberaum?
Das hat es auch schon gegeben, ist aber eher die Ausnahme. Normalerweise schreibt Marco die Songs daheim. Dieses Mal sind ein paar der Songs im Urlaub in Triest entstanden. Mit dem Material kommt er dann zurück und durch die Melodie ist ja auch gleich eine gewisse Akkordstruktur da und dann arrangieren wir dann zusammen. Marco legt also die Grundsteine und zusammen setzen wir dann was Schönes daraus zusammen.

Stichwort Arrangements. Wenn ihr da dann den Song zusammensetzt und vielleicht ordentlich Streicher dazupackt, habt ihr da dann auch schon die Liveumsetzung im Kopf?
Wir spüren oder hören schon sehr früh, wo die Songs mit uns hinwollen, das passiert also recht organisch. Und wenns Streicher sein müssen, dann kommen die eben dazu. Und die Streicher gabs ja auch schon auf dem ersten Album, aber seither haben wir das live dann übers Keyboard gemacht, aber jetzt haben wir so Gefallen an diesem Livebild, dass wir auch mit einem Streichquartett auf Tour gehen!

Das Video zu “0043” hat so was Wehmütiges, berührt Kindheitsträume (Dinosaurier!) und der Mercedes vom Debutalbum-Cover hat auch einen Auftritt. Ist das das gleiche Auto, oder habt ihr denn nur wieder so in Szene gesetzt?
Das ist das gleiche Auto!

Wanda-Pressebilder-2017---CMS-Source(1)Das heißt, der gehört zum Bandfuhrpark?
Naa, der gehört einem unserer besten Freunde, dem Herrn Wolf. Der hat jetzt auch grad wieder die Pressefotos fürs neue Album gemacht und gehört zur „Wanda-Familie“. Im Video und Song spielt dann halt schon etwas Sentimentales in Bezug auf Kindheit und Verarbeitung mit rein. Da hat das Auto dann perfekt reingepasst und hey, ich durfte fahren, das war das geilste!

Und Dinosaurier waren auch ein wichtiger Teil deiner Kindheit?
Auf jeden Fall, ich hab schon recht früh alle “Jurrasic Park”-Teile gesehen! Auch Marco ist… ach, wir alle sind Fans! Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich mit einer ersten Liebe im dritten Teil im Kino war…

Und da kannst du dich an den Film erinnern??
(lacht) Du ich war zwölf oder so, da ist noch nicht viel passiert außer ein bisschen Händchenhalten!

Der gerade angesprochene Herr Wolf, hat der den auch das Foto furs aktuelle Cover gemacht?
Ja, genau!

Ich hab etwas recherchiert und rausgefunden, dass das Gebäude im Hintergrund von Friedensreich Hundertwasser ist. Noch viel interessanter ist aber, dass das eine Müllverbrennungsanlage ist! War das Absicht?
Also das mit Hundertwasser auf jeden Fall, das mit der Müllverbrennungsanlage nicht unbedingt. Und ich wohne zufällig auch noch in der Gegend und hab nur so bei mir gedacht, dass es urgeil wäre, wenn das im Hintergrund der Fotos zu sehen wäre.

In nem älteren Interview hat Marco gesagt, dass er beim Schreiben von “Amore” nur Beatles und Falco gehört hat – was wird denn gerade so gehört?
Soweit ich weiß – und da müsste man ihn eigentlich selber fragen – wieder viel The Beatles – an denen kann ich mich auch nicht tothören. Und ich glaube auch ein bisschen Bruce Springsteen. Und ansonsten haben wir alle gerade eine intensive Oasis-Phase! Die fand ich als Teenager schon cool, hab die aber wieder grade wieder für mich entdeckt. Und meine Entdeckung der letzten Jahre schlechthin ist Fat White Family – unbedingt checken!

(Interview: Tom Jentsch)