Auf [k]eine Kippe mit CASPER

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Auf [k]eine Kippe mit CASPER

Einfach war es nicht: Beinahe vier Jahre ist es her, dass mit “Hinterland“ das bislang letzte Casper-Album erschienen war. Der Nachfolger “Lang lebe der Tod“ wurde verschoben, verfeinert und vermutlich auch mal verflucht. Jetzt aber steht fest: Casper hat der vielleicht schwierigsten Phase in seinem Leben ein echtes Großwerk entrissen, das anders ist als seine bisherigen – und trotzdem mindestens genauso gut. Ein Triumph, eine Kippe, viele Fragen, viele Antworten…

Cas, hast du mir mal eben Feuer?
Sicher, aber rauchen kannste selber?

„Lang lebe der Tod“ hätte schon viel früher erscheinen sollen, du hattest aber noch Optimierungsbedarf. Als du das fertige Album jetzt abgegeben hast, was war das für ein Gefühl?
Zum einen hab ich zu dem Zeitpunkt noch Textfragmente und Beats im Kopf, die ich in dem Moment gerne noch verwirklichen würde und mit aufs Album packen will. Ich weiß aber auch, dass man das Album zu dem Zeitpunkt nur noch „verschlimmbessern“ würde. Das Management und das Label haben mir das mehr oder weniger aus der Hand gerissen und gesagt: „Is’ gut jetzt!“ (lacht). Der Moment in dem man es aus der Hand gibt, ist wiederrum ein befreiender Moment. Wie die Klingel nach der Klausur. Du gibst ab und es wird entweder ne 1 oder ne 5 – das hast du dann nicht mehr in der Hand.

Wie schwer ist es dir damals eigentlich gefallen zu sagen: „Stop, das Album kann so noch nicht erscheinen“ und das du noch eine unbestimmte Zeit brauchst, bis es deinen Wünschen entspricht und den Fans gerecht wird?
Zu dem Zeitpunkt waren wir mit der Platte ja eigentlich schon „fertig“, aber ich war einfach noch nicht so zufrieden, wie das zu dem selben Zeitpunkt etwa bei „Hinterland“ war. Ohne mein Management und Label, die sehr viel guten Willen gezeit haben, hätte ich die Veröffentlichung auch nicht nochmal aufschieben können. Ich wollte den Fans einfach das bestmögliche bieten, was mir zu dem Zeitpunkt möglich war. Und der Punkt war eben noch nicht erreicht.

Deine Fans hatten für diesen Schritt unglaublich viel Verständnis, hast du damit gerechnet?
Puuh, das fand ich sehr krass und ich war echt überwältigt. Ich hatte echt Respekt vor den Reaktionen. Ich glaube, dass entscheidend war, dass die Fans in meiner Aussage verstanden haben, dass es mir echt nicht egal ist was ich ihnen liefere und auch die Ehrlichkeit, mit der wir die Verschiebung kommuniziert haben war wichtig.

Zurück zur neuen Platte. Wie kommt’s, dass der Tod das Leitmotiv ist?
Eigentlich ist es gar nicht so gedacht, als der Tod in Person des Sensensmanns. Ich habe den Song „Lang lebe der Tod“ zu einer Zeit geschrieben, in der verdammt viele Anschläge und ähnliches in den Medien waren. Im Studio saßen wir zusammen und dann haben wir im TV Bilder von einem Anschlag gesehen. Da lag dann so ein Typ auf dem Boden mit Schusswunden im Rücken und so ein Gaffer, der mit dem Handy gefilmt hat, hat ständig den Sanitäter animiert in die Kamera zu kucken – total abgefahren. Da wurde mir klar, das ist der Beginn der Abwärtsspirale. Da wurde halt versucht die größtmögliche Sensation mit der schlimmsten Sache zu schaffen.

Wie stehst du zur Arbeit im Studio? Macht die dir Spaß?
Mmmmmh, so im Auge des Orkans, nein! Aber faierweise muss man auch sagen, dass ich meine Arbeitsweise ändern sollte (lacht). Ich bin da die ganze Zeit über wie in so nem Tunnel gewesen, hab von außen nichts mitgekriegt und das ist schon ziemlich krass. Nach außen hin wirkt das ja nicht so, aber das waren eineinhalb Jahre meines Lebens in diesem Tunnel…

(Interview: Teo Hentzschel)