Luke Mockridge im Interview

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Luke Mockridge im Interview

In seinem aktuellen Programm „Lucky Man“ versucht der sympathische Entertainer Luke Mockridge die jungen Leute seiner Generation auf ihrem Weg durch den Dschungel der Möglichkeiten des Lebens zu unterstützen. Was passiert nach der Schule? Praktikum, Ausbildung, Studium, Backpacking in Australien oder Surfen in Indonesien? Das Ganze muss ja schließlich auch bei Facebook, Instagram, Snapchat und Co. festgehalten werden. Charmant, reflektiert und gewohnt optimistisch nimmt Luke seine Zuschauer mit in die Welt der Selbstfindung. Wir waren neugierig, ob sich Luke denn noch an seinen aller ersten Auftritt erinnern würde, haben ihn gefragt wo er all seine verrückten Ideen hernimmt und ob ihn etwas am Berühmt-Sein stört…

Hallo Luke! Du bist 1989 in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Inwieweit haben diese Umstände dein künstlerisches Schaffen geprägt?
Da meine Eltern ein Comedytheater in Bonn haben, bin ich eigentlich mein ganzes Leben lang auf Inszenierung und Comedy geeicht worden. Sie sprachen immer über Gags, über Sketche, über witzige Ideen oder warum etwas witzig ist. Wenn du das von klein auf einfach immer mitbekommst, dann tickst du irgendwann genauso. Ich habe Comedy nie wirklich konsumiert, sondern tatsächlich sofort analysiert und das schon in ganz jungem Alter.

Du hast italienische und kanadische Wurzeln und außerdem schon in Kanada und England gelebt – hat das deinen Humor irgendwie beeinflusst?
Ob es meinen Humor beeinflusst hat, weiß ich nicht genau, aber auf jeden Fall meine Weltsicht. Ich finde es ist ganz wichtig, dass man über den Horizont hinaus schaut. So ändert sich einfach die Sichtweise auf bestimmte Themen und auf das Leben. Wenn der eigene Horizont sehr weit ist, dann hat man auch ein anderes Humorverständnis. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich einen besonders kanadischen oder englischen Humor habe.

War der kleine Luke damals in den 90ern ein Klassenclown?
Ja und Nein. Ich war schon immer gut drauf, habe Witze gerissen und Spaß daran gehabt für gute Stimmung zu sorgen. Ich war als Schüler aber auch relativ schüchtern, nicht besonders gut und habe es ab und an auch ein bisschen schwer gehabt. Ich war jetzt nicht der Clown, der immer rumgealbert hat, sondern hatte auch damals schon immer ein Gespür dafür, warum etwas witzig ist, wann ich etwas witziges platzieren kann und wann die Stimmung so ist, dass sie ein Gag vertragen könnte. Wenn, dann war ich ein sehr analytischer Klassenclown, aber vor allem einfach immer gut drauf.

Luke-Mockridge-07-Photo-Guido-SchroederDu bist jetzt schon ein paar Jahre auf Deutschlands Bühnen unterwegs. Hast du deinen aller ersten Live-Auftritt noch vor Augen?
Ja, mein erster Live-Auftritt war tatsächlich eine absolute Katastrophe. Ich bin in Köln auf eine Open-Mic-Night, also eine offene Bühne gegangen, habe mich mit falschem Namen angemeldet, völlig anonym und niemandem Bescheid gesagt. Dort habe ich fünf Minuten in die absolute Stille hineingespielt. Die fünf Minuten, die danach kamen, wurde ich vom Publikum ausgelacht, weil es einfach so schlecht war. Ich hatte aber einen Lacher darin, der echt und authentisch war. Auf den habe ich dann meinen zweiten Auftritt aufgebaut und dann wurde aus dem einen Lacher zwei und aus zwei wurden drei, dann irgendwann mal vier, fünf und so wurde ich dann von Auftritt zu Aufritt sicherer und besser.

Angenommen, jemand der dich sehr sehr gut kennt, besucht deine Show. Wie unterscheidet sich dann der Bühnen-Luke vom privaten Luke?
Ich bin auf der Bühne eigentlich relativ normal, spiele keine Rolle und muss mich nicht für meine Auftritte verkleiden. Ich ziehe tatsächlich nur meine Jacke aus und geh raus. Vielleicht bin ich ein bisschen aufgedrehter, ein bisschen selbstbewusster und ein bisschen lauter auf der Bühne. Ich sage immer: Eine Gitarre ist eine Gitarre. Wenn man die Gitarre mit einem Verstärker verbindet, dann ist es eine laute E-Gitarre. Genauso ist es bei mir und der Bühne. Ich bin quasi nur der Luke, aber mit einem Verstärker dran.

Wie kommst du eigentlich auf deine zum Teil verrückten Ideen? Und wie speicherst du dir diese, um sie irgendwann für einen Auftritt zu verwenden?
Ich laufe tatsächlich die ganze Zeit durchs Leben, schreibe mir Ideen in mein Handy und mache mir Notizen. Der Kopf ist immer die Antenne, die Comedy Antenne, und saugt alles auf. Jede Situation im Leben kann potentiell eine neue Nummer werden. Mein Umfeld macht es manchmal ziemlich wahnsinnig, wenn ich nie bei der Sache bin, sondern lieber schnell das Handy raushole und die Idee aufschreibe. Und das, obwohl ich zwei Tage später auch raufgucke und gar nicht mehr weiß, was ich da gemeint haben könnte, als ich es um 3:49 Uhr, mitten in der Nacht, aufgeschrieben habe. „Biene Maja, Saw, Wendler, Holzmichel“ – das ist dann so eine Idee, die ich irgendwann mal hatte und nicht mehr weiß, was das genau bedeuten sollte.

Du kannst singen, tanzen und spielst mehrere Instrumente – was kannst du eigentlich nicht?
Ich kann sehr vieles nicht. Ich kann auf Partys zum Beispiel nicht Tschüss sagen. Ich verschwinde einfach immer. Wenn ich keinen Bock mehr hab, bin ich einfach weg (lacht). Und ich kann nicht Inlineskater fahren. Das ist ein Kapitel was wir in meiner Kindheit irgendwie übersprungen haben. Ich würde es aber gerne können.

Luke-Mockridge-01-Photo-Guido-SchroederDu machst auf mich einen sehr selbstsicheren Eindruck. Kommst du manchmal in Situationen die dir absolut peinlich sind?
Mir sind eigentlich immer so kleine Sachen peinlich. Sachen die eigentlich gar nicht so peinlich sind – einfach unangenehme Situationen. Zum Beispiel, wenn mir jemand auf dem Bürgersteig entgegen läuft und man weicht gegenseitig immer in die gleiche Richtung aus. Das finde ich sehr unangenehm. Oder, wenn man auf der Straße Small Talk betrieben hat, sich verabschiedet und dann läuft man in die gleiche Richtung. So kleine unangenehme Tücken des Alltags finde ich immer ganz schlimm.

In deinem ersten Programm waren die 90er Jahre das Hauptthema. Auf was fokussierst du dich in deiner neuen Show „Lucky Man“ hauptsächlich?
Die 90er Jahre waren eigentlich gar nicht das Thema, sondern die Generation der 90er. Also wir, als Generation, Kinder der 90er, die das erste Mal Nostalgie verspüren dürfen. Viele Reden immer von früher, so nach dem Motto „Weißt du noch?“. Junge Menschen haben diesen Moment nicht, weil wir noch gar nicht so lange leben. Das erste Mal zurück zu blicken und Nostalgie zu verspüren, das war eigentlich die Idee in meinem Programm. Wir haben auf Sachen zurückgeblickt, die noch gar nicht so lange her sind, aber trotzdem wirkte es wie ein großes „Weißt du noch“-Klassentreffen. Alle haben die gleichen Sachen erlebt, die gleichen Serien geguckt.  Das war ganz schön. Das zweite Programm „Lucky Man“ ist eigentlich eine Fortführung davon. Es geht jetzt gar nicht mehr so um die 90er, sondern weiterhin um diese Generation. Man kann sie die Kids der 90er oder die 90er Jahre Generation nennen. Man kann sie auch als Generation Y bezeichnen, also die Leute in meinem Alter, die jetzt Mitte-Ende Zwanzig sind und mit dem Leben klar kommen müssen. Sie müssen Entscheidungen treffen, Erwachsen werden, wollen aber trotzdem irgendwie noch kindlich unterwegs sein. Identitätssuche ist ein großes Thema. Wie ist man in Social Media unterwegs? Was für eine Rolle spielt das? Wie kann es einhergehen, wenn seine Großeltern sich mit 16 kennengelernt haben und jahrelang zusammen sind und ich tinder mich durch die Gegend? Es geht also so ein bisschen um die ups and downs und die Tücken des Erwachsenenlebens, als eigentlich noch recht kindliche Person.

Dein Publikum ist verhältnismäßig jung. Ist es einfacher, für ein jüngeres Publikum lustig zu sein?
Das Publikum sucht man sich ja nicht aus. Man ist so wie man ist und die Leute finden einen und kommen dann in die Show. Wenn das dann eine bestimmte Demografie aufweist, dann ist das ganz toll. Ich glaube, es ist nicht schwerer oder lustiger, ältere oder jüngere Leute zum Lachen zu bringen. Es geht einfach generell immer darum ein Publikum zum Lachen zu bringen. Das junge Publikum findet mich gut, weil in der Comedy Szene so jemand wie ich wahrscheinlich lange gefehlt hat. Das junge Publikum wurde nie wirklich beachtet. Bislang standen die alten Recken in der Comedy Szene im Fokus die schon Arena-Touren gemacht haben. Ich glaube eine ganze Generation hat sich in dieser Comedy nie wirklich abgeholt gefühlt und die kommen jetzt zu mir. Wir feiern quasi gemeinsam unsere Generation und das macht großen Spaß.

Was bedeuten dir Preise wie der Deutsche Comedypreis und die 1Live Krone die du eingeheimst hast?
Ich finde Preise per se immer eine ganz tolle Anerkennung einer Arbeit und daher super. Die haben bei mir alle einen Ehrenplatz und das ist dann doch toll, aber so grundsätzlich sind Preise nicht etwas, dem ich hinterher jage.

Luke, welche Ziele hast du dir für die Zukunft gesteckt?
Wenn ich ehrlich bin, eigentlich Zufriedenheit. Ich arbeite viel, mache und tue, und bin sehr zufrieden. Mein Ziel für die Zukunft ist einfach weiterhin zufrieden und glücklich zu sein.

(Interview: Tom Jentsch)