Mackevision – Die Game of Thrones Effektmacher aus Stuttgart

Mackevision_GOT_Braavos

 

Mackevision – Die Game of Thrones Effektmacher aus Stuttgart

Das auf datenbasierte Visualisierung spezialisierte Unternehmen Mackevision mit Hauptsitz in Stuttgart gehört heute zu den Weltmarktführern für Computer Generated Imagery (CGI). Dazu gehören die Bereiche 3D-Visualisierung, Animation und visuelle Effekte. Hauptsächlich arbeitetet Mackevision für die Automobilindustrie, aber einen kleinen Teil des Umsatzes wird auch mit Visual Effects für die Filmindustrie erwirtschaftet – und das mit Erfolg: So konnten die Profis aus Stuttgart bereits einen Emmy-Award für ihre Arbeit an der HBO Serie „Game of Thrones“ einheimsen. Wir haben dem langjährigen Geschäftsführer Armin Pohl und dem Spezialisten für visuelle Effekte – Juri Stanossek – einige Fragen stellen dürfen…

Armin Pohl, CEO
Armin Pohl, CEO
Juri Stanossek, VFX-Supervisor
Juri Stanossek, VFX-Supervisor

 

Herr Pohl, Sie sind gelernter Grafiker und haben das Handwerk noch zu einer Zeit erlernt, in der die Arbeit mit Block und Stift gang und gäbe war. Als einer von wenigen sind Sie frühzeitig auf die Arbeit mit dem PC umgestiegen und sind dafür von Kollegen belächelt worden. Sind Sie auch heute noch – in ihrer Freizeit oder im Büro – im Grafikbereich tätig oder konzentrieren Sie sich voll auf ihre Rolle als Geschäftsführer?

Ich bin mit meinen CEO Aufgaben ganz gut ausgelastet. Manchmal juckt es in den Fingern – aber dann fehlt mir die Zeit und Muße. Außerdem bin ich längst nicht mehr auf dem neuesten Stand was die aktuellen Grafikprogramme angeht. Ich müsste mich sicherlich erst einmal intensiver mit den neuesten Tools beschäftigen, um so einen hervorragenden Job abzulegen, wie es unsere Artists Tag für Tag tun. Das machen die viel besser als ich.

Mackevision hat lange Zeit fast ausschließlich für die Automobilindustrie gearbeitet. Erst seit 2013 haben Sie eine eigene VFX-Abteilung, die sich um visuelle Effekte für Filme und Serien kümmert. Wollten Sie die Firma damals breiter aufstellen oder kam ein Kunde mit einer Anfrage auf Sie zu und sie sahen eine Chance in diesem Gebiet?
Es war eine ganz bewusste Entscheidung, die VFX-Abteilung zu gründen – wenn gleich es eine Investition mit Risiko war. Wir wollten unser Leistungsangebot um visuelle Effekte erweitern. Filme müssen real wirken, um dem Zuschauer die Illusion der Handlung glaubhaft zu machen. Das ist auch für unsere Arbeit für die Automobilkonzerne wichtig. Häufig setzen wir unsere VFX-Experten auch bei der Umsetzung von Werbemotiven und -filmen für die Industrie ein und können diese Produktionen durch die entsprechenden Effekte noch besser in Szene setzen.

Bis auf die Bogenschützen ist in diesem Bild alles von den VFX-Experten von Mackevision digital erstellt worden.
Bis auf die Bogenschützen ist in diesem Bild alles
von den VFX-Experten von Mackevision digital
erstellt worden.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit HBO?
Mit der Neugründung des VFX-Departments haben wir einige Kollegen gewonnen, die bereits zuvor an Game of Thrones gearbeitet haben – den Kunden HBO haben die Kollegen mitgebracht und direkt das erste internationale Projekt gewonnen.

Für die visuellen Effekte in der HBO-Serie „Game of Thrones“ hat Mackevision einen begehrten Emmy-Award gewinnen können. Waren Sie bei der Preisverleihung vor Ort und haben Sie den einen oder anderen Darsteller bereits kennenlernen dürfen?
Wir haben ein Team aus ausgezeichneten, internationalen Artists, allesamt Künstler ihres Fachs, darunter unser VFX-Supervisor Juri Stanossek, der auf Grund seines unglaublichen Talents schon mehrfach mit bedeutenden Awards ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Emmy-Award für die visuellen Effekte von „Game of Thrones“. Die Kollegen waren bei der Preisverleihung vor Ort und haben sicherlich auch den einen oder anderen Darsteller getroffen. Ich selbst war nicht dabei, das überlasse ich gerne den Kollegen, die sich diese Auszeichnung durch ihre hervorragende Arbeit verdient haben.

Nur wenige Statisten reichen den Profis von Mackevision aus, um die riesige Armee der Lannisters am Rechner zum Leben zu erwecken.
Nur wenige Statisten reichen den Profis von Mackevision aus,
um die riesige Armee der Lannisters am Rechner zum Leben zu erwecken.

mv_got7_0332_0020_still

Herr Stanossek, Sie sind VFX-Supervisor bei Mackevision und haben in diesem Bereich langjährige Erfahrungswerte. Zudem sind Sie Dozent an der Filmakademie Baden-Württemberg. Was macht die nächste Generation an VFX-Spezialisten aus, die Sie unterrichten und was fehlt Ihnen vielleicht?
Wir haben in Stuttgart eine exzellente Ausbildungssituation und große Talente, die an preisgekrönten Produktionen wie z.B. „Hugo Cabret“, „Game of Thrones“ oder „Grand Budapest Hotel“ mitgearbeitet haben. Startschuss für diese Entwicklung war sicherlich die Rekrutierung von Absolventen der Filmakademie Ludwigsburg für die US-Produktion „Independence Day“ im Jahr 1997, die letztendlich mit einem Oscar prämiert wurde. In den letzten 20 Jahren haben sich viele Animationsstudios und Effekteschmieden in der Region etabliert und talentierte Artists aus der ganzen Welt rekrutiert. Darauf sind wir mächtig stolz. Dank der Filmakademie werden diese jungen Leute professionell und richtig gut ausgebildet – dafür sprechen die Projekte auf höchstem künstlerischem Niveau, die sogar international ausgezeichnet werden. Die jungen Talente sind Effektkünstler aus Leidenschaft. Wenn sie abends nach Hause gehen, arbeiten sie an ihren privaten Projekten weiter. Das
macht mich als Dozent ganz besonders stolz.

01
Um aus dem Raster aus Vektoren und Pfaden (oben) den fertigen Innenraum des Mercedes-Benz zu erstellen (ganz unten), brauchen die Profis aus Stuttgart viel Zeit, Geduld und den Blick für jedes noch so kleine Detail.

02 03 06

Sind Sie als VFX-Supervisor auch direkt beim Dreh vor Ort?
Ja klar, vor allem bei deutschen Produktionen wie „Jim Knopf“ oder „Gotthard“ bin ich als Supervisor beim Dreh vor Ort dabei. Oftmals betreue und berate ich die Filmproduktionen bereits während der Konzept- und Drehbuchphase und
selbstverständlich sind wir auch bei der finalen Umsetzung der visuellen Effekte für Spielfilme, Serien und High-End-Commercials immer im direkten Austausch und involviert.

Sie wissen ja vor Ausstrahlung was zum Beispiel in „Game of Thrones“ passieren wird, kennen vermutlich aber nur die Szenen an denen Sie arbeiten. In etwa wieviel Prozent der Szenen einer Folge, hat Mackevision seine Finger im Spiel?
In der Regel kennen wir nur die Szenen, an denen wir arbeiten. Wir haben insgesamt 116 Visual Effect Shots für fünf Folgen der Staffel 7 produziert.

Wie viele Stunden Arbeit braucht es um eine Minute Film zu realisieren?
Wie viele Arbeitsstunden im Detail drin stecken lässt sich nur schwer sagen. Ein Team von 40 internationalen, erfahrenen Artists arbeitete ca. sechs Monate an einer Staffel.

Schauen Sie sich die kompletten Folgen noch an wenn Sie ausgestrahlt werden oder haben Sie sich dann schon „satt gesehen“?
Ja klar, oftmals schauen wir uns die Folgen gemeinsam im Team an. Manche Kollegen brauchen nach Abschluss des Projekts erstmal eine Pause und schauen sich die Staffel dann zu einem späteren Zeitpunkt an.

Herr Pohl, was muss ein junger Mensch mitbringen um bei Ihnen arbeiten zu können?
Leidenschaft für die Arbeit, natürlich Interesse an unserem Leistungsportfolio, Lust etwas zu bewegen und voranzubringen, voller Tatendrang, Ideen und viel Teamgeist.

Ein realer Mensch dient als Vorlage für die VFX-Experten von Mackevision, um den klavierspielenden Roboter für einen Werbesport von BMW zu erstellen.
Ein realer Mensch dient als Vorlage für die VFX-Experten von Mackevision,
um den klavierspielenden Roboter für einen Werbesport von BMW zu erstellen.

BMW_Roboter_Making-Of.1709

Wo sehen Sie sich und Mackevision in 10 Jahren?
Wir wachsen weiter und haben wahrscheinlich ein paar internationale Standorte mehr. Leidenschaft und Begeisterung sind bei uns wesentliche Treiber genauso wie das Streben nach Qualität! Wir erfinden uns immer wieder neu – in unserer DNA gibt es definitiv ein Start-Up Gen. Das wird sich auch in den nächsten 10 Jahren nicht ändern.

Wenn Sie die Zeit noch einmal zurückdrehen könnten, was würden Sie anders machen?
Ich würde versuchen den einen oder anderen Fehler zu vermeiden, insbesondere solche, die sich auf das Team belastend ausgewirkt haben – aber hinterher ist man immer schlauer. Ich habe alles immer nach bestem Wissen und Gewissen entschieden.

Haben Sie einen Tipp für junge Menschen, die ihre Visionen und Ideen verwirklichen wollen?
Häng Dich nur an ein Thema worauf du wirklich Lust hast, sonst hältst du nicht durch. Es wird sehr, sehr viel Arbeit und es gibt trotzdem keine Garantie auf Erfolg. Wenn Du hinfällst, steh wieder auf. Überlege was Du falsch gemacht hast und probiere es weiter. Kenne Deinen Markt mit allen relevanten Einflüssen. Umgib Dich mit den besten Leuten, die du bekommen kannst. Und wenn sie besser sind als Du, freu Dich umso mehr. Sei immer fair und ehrlich mit Deinen Kollegen, Kunden und Partnern, aber sei nicht naiv. Sei klar in Deinen Zielen und binde Dein Team ein, damit alle die gleiche Vision teilen. Mache Deine Vision zu Deinem Leben. Erfolg kommt dann, wenn Du tust, was Du liebst.

Mehr erfahren: www.mackevision.com

(Fotos © www.mackevision.com und HBO – Home Box Office / Interview: Teo Hentzschel)