Donots – Nackte Fans und geduldige Behörden

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Ingo Donot von den Donots hat auf jeden Fall viel zu erzählen…

Nachdem es zu Meinungsverschiedenheiten mit der ehemaligen Plattenfirma kam, gründete die deutsche Alternative-Rock-Band „Donots“ mit „Solitary Man Records“ kurzerhand ihr eigenes Label, auf dem am 13. Januar das erste Album, „Lauter als Bomben“, erschien. Was genau der Grund dafür war, alles lieber in die eigenen Hände zu nehmen, verrät Ingo von den „Donots“ im Interview. Er erzählt außerdem von einem „speziellen“ FKK-Erlebnis auf dem letzten Taubertal-Festival, schildert das von der Polizei unterwanderte, spontane Unplugged-Konzert zur Albumveröffentlichung in Köln und lässt tief hinein in die Entstehungsgeschichte von „Lauter als Bomben“ blicken.

Interview: Tom Jentsch / Fotos: Dennis Dirksen
www.donots.com

Mit eurem zehnten Album „Karacho“ habt Ihr 2015 erstmals ein Album komplett in deutscher Sprache veröffentlicht. Das kam sehr gut an und beim aktuellen Album habt ihr das direkt beibehalten – seid Ihr auf den Geschmack gekommen?
Kann man so sagen, ja. Wenn man über zwei Dekaden in englischer Sprache unterwegs ist, dann kennt man sich selbst möglicherweise zu gut und dann besteht immer die Gefahr, dass das, was man so abliefert, eventuell zu formelhaft wird. Da macht ein Sprachwechsel schon absoluten Sinn, um Dinge frisch zu halten. Und in der Tat fühlt es sich jetzt bei aller Langlebigkeit trotzdem nach der zweiten oder dritten Inkarnation der Band an. Wir spielen wieder viel freier geradeaus, finden neue Ansätze und lassen auch musikalisch viel mehr zu als früher.

„Lauter als Bomben“ ist das erste eigene Album, das ihr auf eurem eigenen Label veröffentlicht. Alles in der eigenen Hand also, gab‘s früher hier und da auch mal Label-Entscheidungen hinter denen Ihr nicht 100%ig gestanden seid?
Wir sind seit jeher schon ziemliche Control Freaks und haben immer sehr darauf geachtet, was labeltechnisch so passiert. Aber du kannst halt nicht jede Bewegung immer „überwachen“, weshalb wir uns irgendwann aus dem Deal mit GUN Records Mitte der Nullerjahre rausklagen mussten. Da gab es schon ziemlich konträre Meinungen, was die Präsentation der Band anging oder auch bei so Geschichten wie der Bemusterung von Alben wie „Got The Noise“, wo auf der Promo die Songreihenfolge ohne unser Wissen geändert wurden und so. Darauf hatten wir verständlicherweise keinen Bock, weshalb es sich seit Solitary Man Records einfach alles viel organischer, sinnvoller, näher und besser anfühlt für uns.

100% Kontrolle ist das eine, 100% Arbeit ist wohl die Kehrseite der Medaille. Macht ihr alles komplett selbst, oder habt ihr Mitarbeiter, die euch unterstützen?
Als wir Solitary Man 2008 von Japan nach Europa „importiert“ haben, um eine neue Labelheimat für uns Donots hierzulande zu haben, waren wir in Retrospektive betrachtet definitiv jenseits unserer Kapazitäten. Da gab es quasi nicht mal ein Durchatmen, wenn wir von der Bühne gekommen sind, sondern hatten direkt in verschwitzten Bühnenklamotten wieder die Laptops auf unseren Knien, um Mails zu beantworten. Und auch finanziell waren wir sehr am Limit und konnten uns beispielsweise für die Dreharbeiten zum „Stop The Clocks“ Video nur Flugtickets für zwei Leute der Band leisten, weshalb das Video am Ende nur mit Guido und mir stattfand. Als der Song dann radiomäßig so durch die Decke ging, waren wir dann irgendwann komplett überfordert. Das wäre wahrscheinlich der Moment gewesen, wo man gut die Manpower von einem Majorlabel hätte in der Hinterhand haben können. Aber alles hat ja immer so seine Vita und sein eigenes Momentum. Bei „Lauter Als Bomben“ sind wir definitiv besser vorbereitet, haben natürlich aus den vergangenen Jahren viel gelernt und gute Freunde und Kollegen der Band akquiriert, um das „Daily Business“ am Laufen zu halten und trotzdem mit einer gewissen, positiven Unbedarftheit auf der Bühne stehen zu können bei allem Arbeitsaufkommen.

DONOTS__1__c_DENNIS_DIRKSENIn der Nacht der Albumveröffentlichung habt ihr einfach mal spontan in Köln ein Unplugged-Konzert angesetzt. Das wurde erst wenige Stunden vorher bei Facebook angekündigt. Wie wars denn dann und wieviele Leute sind eurem Aufruf gefolgt?
Haha, das war wieder eine dieser typischen Donots-Schnapsideen, die dann am Ende – against all odds – viel viel besser gelaufen ist, als wir uns das hätten erträumen können. Wir haben drei Stunden vorher über unsere Kanäle und ein Radio-Interview rausgeballert, dass wir ein paar Kisten Bier im Auto und unsere Akkustikgitarren unter dem Arm haben. Eigentlich wollten wir nur mit ein paar Leuten auf den Release von „Lauter Als Bomben“ anstoßen und eventuell ein paar Unplugged-Songs in kleiner Runde auf den Trümmern des famosen Undergrounds spielen. Aber bevor wir überhaupt vor Ort waren, hatte schon ein Großaufgebot des Ordnungsamtes und der Polizei das Gelände in Beschlag und drohte uns mit einer saftigen Strafe. Mehrere hundert Leute standen auf beiden Seiten der Straße und wir sind dann kurzfristig quasi durch die Hintertür, nämlich die Stapelbar, auf das Heliosgelände gelangt. Die Offiziellen der Stadt haben dann wahrscheinlich ein paar Augen feste zugedrückt, weil alles extrem friedlich, harmonisch und trotz hunderter Anwesender einigermaßen leise von statten ging, wir hatten ja schließlich nicht mal Mikrophone dabei. Es wurde am Ende jedenfalls eine unvergessliche Nacht, ganz besonders wegen dem Einsatz aller Beteiligten. Viele Besucher hatten Feuerwerk, Konfettikanonen, Bengalos und so mitgebracht, alle haben inbrünstig mitgesungen – und zwei Kameramänner haben sich eine Stunde zuvor bei uns gemeldet, um das ganze mit Fotos und videodokumentarisch festzuhalten. Auf die Weise hatten wir dann sogar sowas wie Beleuchtung am Start. (lacht)

Der Albumtitel ist in einer aufgeregten, von Hetze und Hass dominierten Zeit auch ein deutlich politisches Statement. Diskutiert ihr sowas vorher entsprechend in der Band, man muss da doch bestimmt auch eine gute Balance finden zwischen dem Message- und dem Feier-Faktor?
Ja, das machen wir schon, klar. Aber uns war auch ziemlich schnell klar, dass plakative Zeiten wie diese einen plakativen Albumtitel gebrauchen können. Wir hatten zuerst darüber nachgedacht, die Platte „Geschichten Vom Boden“ oder „Heute Pläne, Morgen Konfetti“ zu nennen, weil das Album ja auch eine sehr persönliche Seite neben all der Sozialkritik hat. Aber so macht’s einfach viel mehr Sinn. Wir haben im neuen Selbstverständnis unserer Band eine Verantwortung. Punk wollte ja schon immer mehr als nur unterhalten.

Stichwort Feier. Bei eurem letzten Besuch auf dem Taubertal-Festival hab ich euch leider knapp verpasst und ärgere mich da heute noch. Muss legendär gewesen sein und am Schluss fielen da wohl auch die letzten Hüllen auf der Bühne?
Das war wirklich eine der wahnsinnigsten Shows der vergangenen Jahre. Das Taubertal meint es ja stets mehr als gut mit uns und ist uns eine absolute Herzensangelegenheit. Aber dass wir dieses Mal sogar drei nackte Fans auf der Bühne hatten, konnte selbst der innere FKK-Urlauber in uns nicht ahnen. Große Liebe für das Taubertal!!!

Mit 25 Jahren Bandgeschichte auf dem Tacho, was sind denn die absoluten Do-Nots, was sollte man also tunlichst nicht tun, wenn man langfristig erfolgreich sein möchte?
Denke am besten niemals nach über das, was Du tust. Mach Dir keine Excel-Tabellen oder Powerpoint-Präsentationen für das, was Du auf der Bühne vorhast. Lass Dich nicht einschüchtern, wenn was kaputt geht, im Gegenteil! Und sieh zu, dass das Licht im Kühlschrank niemals ausgeht…

Im „Bandinfo“ vergleicht Ihr euer neues Album mit Faith No Mores „Angel Dust“. Grandioses Album, aber in der Band hat‘s da ja schon ordentlich gekracht. Was ist euer Geheimnis für ein gesundes Miteinander?
Ja, Faith No More sind eine meiner Alltime-Favorite-Bands… Das Album „King For A Day… Fool For A Lifetime“ wird auf ewig eine meiner Referenzen sein… Was die Frage angeht – siehe oben: Je weniger Plan es gibt, um so weniger Stress. Wir machen das alles, weil wir Bock auf den Moment haben, weil wir uns selbst überraschen wollen, weil wir zuerst Freunde und dann eine Band sind. Und weil im Kühlschrank immer Licht brennt…

DONOTS – LAUTER ALS BOMBEN
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