DJ Koze über die kuriose Entstehung seines Albums

DJ Koze

Wir hoffen inständig ihr kennt DJ Koze! Der Mann ist ein absoluter Paradiesvogel hinter den Decks und sensationeller Produzent – seit Jahren! Für die Produktion seines am 04. Mai erscheinenden Albums „Knock Knock“ hat sich Koze ein total kurioses System überlegt, das ihn letztendlich in den Wahnsinn treiben wollte. Außerdem hat der DJ bemerkenswerte Tipps für eure Speisekarten parat, so zum Beispiel den „Baum“ auf seinem Album Cover. Welchen ambitionierten Wunsch sich DJ Koze von einer Glücksfee erfüllen lassen würde, und was das alles mit Herr der Ringe-Bösewicht Sauron zu tun hat, erfahrt ihr in den kommenden Zeilen, die hin und wieder vielleicht mit einem klitzekleinen Augenzwinkern verstanden werden dürfen:

Interview: Tom Jentsch / Fotos: © Gepa Hinrichsen
fb: djkoze

Moin Stefan! Dein neues Album „Knock Knock“ erscheint Anfang Mai und zu allererst fällt das sehr schicke Cover ins Auge – wo steht denn dieser außergewöhnliche Baum auf den du dich da bemüht hast?
Es handelt sich hierbei um den spanischen Ombú Baum, der eigentlich mehr ein Gemüse ist als ein Baum. Man kann ihn in Scheiben schneiden und in der Pfanne braten.

„Knock Knock“ ist ein besonderes Album, das in der Entstehung wohl seinen ganz eigenen Kopf hatte und angeblich auch selbst entschieden hat, wann es fertig war – klingt recht mysteriös! Wie hat es denn Bescheid gegeben, dass es jetzt fertig ist und zeitnah veröffentlicht werden möchte?
Ich habe bei diesem Album mit mehreren unkonventionellen Methoden des Songwritings herumexperimentiert. Zum Beispiel mit der Aleatorik, also der Einführung des Zufalls in die Kompositionspraxis. Außerdem hab ich nach der Initialzündung eines Songs per Zufallssystem festgelegt, wie lange ich exakt bis zur Fertigstellung an ihm arbeiten „durfte“. Ausgangspunkt war drei Mal Würfeln. Die Anzahl der Augen entsprach den Tagen. Auf mich konnten also mindestens drei oder maximal achtzehn Tage Arbeit pro Song warten. Um die Aufgabenstellung noch zu verkomplizieren musste (!) ich exakt so lange an den Stücken arbeiten, durfte also nicht eher aufhören. Manche Stücke empfand ich aber schon nach vier Tagen vollendet, musste mich dann aber noch etliche Tage mit ihnen weiter beschäftigen. Um die Songs durch dieses beknackte Dogma nicht zu ruinieren, habe ich mich dann tagelang mit kaum hörbaren Rauschfrequenzen, Texturen oder dem Klangbild beschäftigt. Ein Tätigkeit, die mich fast in den Wahnsinn getrieben hat.

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Ist der Albumtitel vielleicht auch ein Verweis auf die vielen Gäste, die an deine Tür geklopft haben um sich zu beteiligen?
Es war eher so: Ich dachte ich klopf mal an und schaue wer aufmacht!
 
Wie ist das denn mit den vielen Gastbeiträgen, wart ihr zusammen im Studio, oder wurden da eher Dateien hin- und hergeschickt?
Teils teils. Die digitale Vernetzung macht es möglich, dass man zusammen an einem Song arbeiten kann – ohne zusammen im Studio zu sitzen und gemeinsam einen Snaresound zu suchen.
Ich genieße daran die alleinige Entscheidungshoheit. Keine Kompromisse: immer gut für die Kunst.
Mit manchen Künstlern saß ich allerdings auch im Studio und habe „geflasht“ – wie wir Hip Hopper sagen.

Roisin Murphy ist gleich auf zwei Tracks zu hören, gibt es da vielleicht auch Pläne für gemeinsame Auftritte?
Die Zusammenarbeit mit Roísín ist sehr erfrischend. Sie ist eine unglaubliche talentierte Künstlerin ohne große Eitelkeit. Das ist selten. Wir haben mehrere Stücke zusammen produziert. Die Chemie stimmt sowohl künstlerisch als auch menschlich. Mal schauen was die Zukunft bringen wird
 
Du hast ja schon so einiges gemacht in deiner Karriere, u.a. habe ich von einer Zusammenarbeit mit Max Goldt gelesen. Habt ihr denn noch Kontakt und hast du eine aktuelle Buchempfehlung für unsere Leser?
Lustigerweise war der Kontakt zehn Jahre lang abgerissen, ist aber vor zwei Monaten wieder reaktiviert worden. Buchtipp: Vielleicht nicht wirklich aktuell, aber umso mehr Empfehlung: „Thomas Melle – Die Welt im Rücken“. Ein Wahnsinn im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Beginner sind wieder sehr aktiv, Fettes Brot waren nie weg, Fünf Sterne Deluxe haben 2017 „Flash“ veröffentlicht und Dendemann kommt hoffentlich auch bald mit seinem Album rum – eine Fischmob-Reunion ist für dich und deine ehemaligen Kollegen immer noch kein Thema?
Ich glaube, das wäre ein klassischer Fall von Legendenschändung.

Wenn du jetzt – mit oder ohne Fee, einfach so, zack, drei Wünsche frei hättest, dann wären das…?
Ich möchte all das wissen, was jeder Mensch auf der Welt weiß. Dadurch kann man automatisch jede Sprache und jede Wissenschaft aus dem Effeff. Alle Codes, Passwörter usw. Einfach Alles! Auch die Sachen, die im Verborgenen gehalten werden von den führenden Drahtziehern im Hintergrund (Bilderberger oder Sauron).  Das Gesamte Wissen der Menschheit wäre somit in mir vereinigt.
Das setzt natürlich voraus, dass mein Hirn diese Kapazität überhaupt aufnehmen kann, davon gehe ich aber erstmal aus…

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DJ Koze / Knock Knock / VÖ: 04.05.