Paul Fowler – Fotograf für atemberaubende Landschaften

Paul Fowler – Unser Urban Hero im April

 

Paul Fowler
Alter: 32
Wohnort: Heidelberg
Job: Barista / Fotograf

Paul Fowler ist ein in Neuseeland geborener Fotograf, der aktuell in Deutschland lebt. Bevor er hierher zog, hat er in Broome in Westaustralien gelebt. Broome ist bekannt für seine spektakulären Sonnenuntergänge, die man am Strand – auf dem Rücken eines Kamels – erleben kann. Durch Zufall wurde Paul vom Veranstalter dieser Kamelausritte als Fotograf gebucht. Fortan hat er jede Nacht Ausritte begleitet und Fotos geschossen, die er anschließend ausgedruckt und an Touristen verkauft hat. Heute sagt Paul, der Job sei zwar verrückt gewesen, hat ihm aber viel über das Fotografieren und den Umgang mit Menschen beigebracht – ganz zu schweigen von der körperlichen Fitness.

Interview: Teo Hentzschel

Cable-Beach-Camel-sunset_
Cable Beach

Paul, kannst du von deiner Arbeit als Fotograf leben oder ist es noch ein Hobby?
Im Moment ist es ein bisschen was von beidem: Ich arbeite immer noch Vollzeit, die Fotografie ist jedoch ein schöner Nebenverdienst.

Ursprünglich bist du aus Neuseeland, lebst zur Zeit aber in Heidelberg. Was tust du dort und wie lange bist du schon in Deutschland?
Ich bin hierher gekommen, weil meine Freundin in Heidelberg studiert. Kennengelernt habe ich sie, als ich ich 2016 durch Europa geradelt bin. Seit Juni 2017 lebe ich nun hier, arbeite als Barista in einem kleinen Café, fotografiere in der Umgebung und lerne – langsam aber sicher – Deutsch.

Was ist der größte Unterschied zwischen den beiden Ländern?
Mir ist direkt aufgefallen, wie viel Geschichte Deutschland hat. Neuseeland ist da eher ein junges Land: Jedes Gebäude, das über 50 Jahre alt ist, gilt bei uns als „historisch“. Und in Heidelberg steht direkt vor meinem Fenster ein Schloss, das 1100 erbaut wurde und außerdem gibt es eine 700 Jahre alte Universität. Ich mag diesen Flair! Womit ich aber nicht so klar komme ist, dass Sonntags alle Geschäfte geschlossen haben. Außerdem begreife ich nicht, warum hier Sprudel beliebter ist als stilles Wasser.

Roebuck-Bay, Broome
Roebuck-Bay, Broome

Was liebst du an Deutschland?
Das Bier – und das Wetter!

Die meisten deiner Fotografien zeigen schöne Umgebungen und atemberaubende Landschaften. Was fasziniert dich so an der Natur?
Genau kann ich das nicht sagen. Vermutlich hängt es mit meiner Jugend in Neuseeland zusammen. Ich war die ganze Zeit draußen und wenn nicht, hab ich in einem Atlas geblättert oder etwas über Tiere gelesen. Bevor ich überhaupt an Fotografie interessiert war, hat meine Mutter mir schon gesagt, dass ich eines Tages bestimmt für National Geographic fotografieren werde. Ich schätze, sie hat damals schon gesehen, wie gerne ich beobachte und die Dinge schätze, die ich sehe. Ich fühle mich inspiriert und erfrischt, wenn ich mit meiner Kamera im Freien bin. Vor allem, wenn ich an Orten bin, die neu für mich sind.

Punta Brava, Teneriffe
Punta Brava, Teneriffe

Wenn sich jemand so sehr mit einem Thema beschäftigt, wie du mit der Fotografie, entwickelt man Träume und Wünsche. Was möchtest du erreichen?
Ich würde meine Fotografie gerne für einen höheren Zweck nutzen, als nur für schöne Fotos bei Instagram. Als ich durch Europa geradelt bin, habe ich mit meinen Fotografien soziale Projekte unterstützt. Ich würde das gerne regelmäßig machen. Natürlich möchte ich auch meine Fähigkeiten verbessern – vor allem im Bezug darauf Menschen zu fotografieren. Und ich möchte ein versierter Autor werden. Zurück zur letzten Frage: Wenn ich eines Tages den Traum meiner Mutter erfüllen könnte und für National Geographic fotografieren dürfte, wäre das unglaublich!

Was ist wichtiger: Gutes Equipment oder ein gutes Auge?
Jemand mit gutem Auge, viel Erfahrung und schlechtem Equipment, kann immer noch großartige Fotos schießen. Mit dem besten Equipment und keiner Ahnung, macht man jedoch eher schlechte Fotos. Aber klar: Gutes Equipment hilft dir natürlich sehr, wenn du weißt, wie du es nutzen musst.

Wet-Season-Storm, Broome
Wet-Season-Storm, Broome

Welches Equipment benutzt du meistens?
Eine Canon 5D Mark III mit einem 24-105mm Objektiv. Ziemlich durchschnittlich, aber man deckt damit die meisten Szenarien ab. In letzter Zeit habe ich mich auch viel mit Dronen-Fotografie beschäftigt. Ich habe eine Phantom 3. Die ist zwar ziemlich veraltet, aber reicht mir aus. Aus der Luft zu fotografieren, hat mir ganz neue Möglichkeiten eröffnet.

Wo oder wen würdest du gerne mal fotografieren?
Es mag verrückt klingen, aber ich würde gerne ein paar Monate durch Neuseeland reisen und dort fotografieren. Ich war dort seit 2010 nicht mehr. In der Zwischenzeit habe ich so viel in Australien und Europa fotografiert. Ich denke, dass man seine Heimat immer für selbstverständlich annimmt, wenn man dort aufwächst, aber erst jetzt realisiere ich, wie schön Neuseeland wirklich ist und wieviel ich davon noch nicht gesehen habe.

Benijo-Beach, Teneriffe
Benijo-Beach, Teneriffe

Was ist der Weg zum Erfolg? Ist es Glück, Schicksal oder harte Arbeit?
Beim Schicksal bin ich mir nicht sicher, aber es ist definitiv eine Kombination aus den zwei Anderen. Wie man so schön sagt: Du bist deines eigenen Glückes Schmied! Für mich bedeutet das: Sitze nicht herum und warte darauf, dass etwas passiert, sondern lerne und arbeite hart. So, dass du das Beste daraus machen kannst, wenn sich eine neue Türe für dich öffnet oder du das „kleine Quäntchen“ Glück hast.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Da wäre ich gerne Fotograf und Autor – in Vollzeit. Immer noch reisend, aber mit einer festen Heimat irgendwo wo es warm ist und es Strände gibt. Das schließt Deutschland eher aus – sorry (lacht)!

Altstadt, Heidelberg
Altstadt, Heidelberg

Würdest du etwas ändern, wenn du die Chance dazu hättest?
Ich hätte in jungen Jahren gerne mehr Mut gehabt meine Träume zu verfolgen. Ich war oft entmutigt wenn Menschen mir gesagt haben, dass es nicht möglich ist von der Fotografie zu leben. Also habe ich nach anderen Möglichkeiten gesucht. Ich bin aber immer wieder bei meiner Kamera gelandet und hab in der Zwischenzeit viel Zeit verschwendet einen „richtigen“ Job für mich zu finden.

Wenn du einen letzten Satz zu sagen hättest, welcher wäre das?
Puuuh, schwere Frage! Ich bin nicht so gut in Einzeilern. Aber was ich mir gerne selbst in Erinnerung rufe ist Folgendes: „Es gibt Menschen da draußen, die ihre Träume und Leidenschaften verfolgen und damit erfolgreich sind. Es gibt keinen Grund, warum ich nicht einer von ihnen sein sollte!“

Insta: paulmichael
www.paulmichael.com.au