Urban Hero im Mai: Saeed Kakavand

Saeed Kakavand ist unser Urban Hero im Mai

Saeed Kakavand ist Fotograf und Geschäftsführer bei der 0711 Media Production GmbH in Stuttgart. Der 27-jährige betreibt mit Freunden und alten Studienkollegen außerdem den 0711blog, der monatlich zehntausende Leser erreicht. Der gebürtige Iraner ist 2010 zum Studieren nach Stuttgart gekommen und hat in der Stadt einen Ort gefunden, den er von ganzem Herzen Heimat nennen kann. Nachdem wir viel von ihm gehört, gesehen und gelesen haben, war es höchste Eisenbahn dem jungen Mann ein paarFragen zu stellen…

Interview: Teo Hentzschel / Fotos: Saeed Kakavand / Foto v. Saeed: CRO

Alter: 27
Wohnort: Stuttgart
Job: Fotograf / Geschäftsführer bei 0711 Media Production GmbH

Saeed, du bist 2010 – aufgrund der Unruhen im Iran im Jahr 2009 – nach Deutschland gekommen. Was war dein erster Eindruck von Deutschland, erinnerst du dich noch an den Moment und hattest du mit großen Sprachbarrieren zu kämpfen?
Der Plan ins Ausland zu gehen und hier zu studieren, war eigentlich schon ein bisschen älter. Meine Eltern haben beide in den USA studiert und sich dort überhaupt erst kennengelernt. Auch meine Geschwister sind zum Studieren ins Ausland gegangen und so war es absehbar, dass ich diesen Weg ebenfalls einschlagen werde.

Meine Mutter meinte immer, dadurch lerne man viel (fürs Leben) und zurück kommen könne ich immer noch, sollte es mir nicht gefallen. Einerseits hatte ich selbst Lust auf ein Studium im Ausland, andererseits hatte ich echt gute Freunde im Iran und die Entscheidung, sich von ihnen zu trennen, war sehr schwer. Vielleicht waren es auch die Unruhen, die letztendlich dazu führten, dass ich mich zu 100% fürs Ausland entschieden habe.

War Stuttgart eine bewusste Entscheidung und wenn ja, warum?
Eigentlich bin ich zuerst in Hannover gelandet, dort habe ich Deutsch gelernt und das Studienkolleg besucht. Wohl gefühlt habe ich mich bei den Hannoveranern allerdings nie so richtig. Das Gefühl dazuzugehören und dort Zuhause zu sein wollte sich einfach nicht einstellen, ich merkte immer mehr, egal wie lange ich in Hannover wohnen würde, diese Stadt würde nie zu meinem Zuhause werden.

Da ich oft gehört hatte, dass die Rheinländer viel aufgeschlossener sein sollen wollte ich eigentlich nach Köln ziehen. Doch die Uni dort passte nicht 100% zu mir und schließlich machte mich meine Schwester, die damals schon in Stuttgart gewohnt hat, auf die Hochschule der Medien aufmerksam. Die passte schon besser zu mir und so wurde es Stuttgart.

Was ist der größte Unterschied zwischen den beiden Ländern?
Als allererstes fällt mir das Wetter ein. Wir haben im Iran vier Jahreszeiten, die jeweils ziemlich genau 3 Monate andauern. Unser Jahr fängt mit dem Frühling, am 21. März, an. Von da an wird es, bis zum Sommer, immer wärmer und danach wird es, bis zum Winter, immer kälter. Oft kann man die Winter- oder Sommer-Klamotten einpacken, in den Keller bringen und erst in ein paar Monaten wieder auspacken. In Deutschland ist das völlig durcheinander. Wenn es dumm läuft, brauche ich meine wärmste Jacke auch mal im Sommer.

Was hast du an Deutschland lieb gewonnen?
Es gibt vieles, aber was ich am meisten schätze, sind die Möglichkeiten die ich hier hatte bzw. habe. Ich durfte hier studieren und jetzt Karriere machen, obwohl das als Ausländer in vielen Ländern schwieriger sein kann (unter anderem im Iran).

Ich habe sehr selten (und wenn, dann bei sehr unwichtigen Themen) gedacht, dass ich als Ausländer Nachteile gegenüber den Deutschen habe. Deswegen fühle ich mich hier auch wie Zuhause oder manchmal sogar noch wohler. Das schätze ich wirklich sehr und würde mich freuen, wenn ich das auch irgendwann irgendwie zurückgeben kann.

Schon während deines Studiums hast du mit Freunden und Kommilitonen den 0711blog ins Leben gerufen. Wenn sich jemand so sehr mit einem Thema beschäftigt, wie du mit dem Blog, entwickelt man Träume und Wünsche. Machst du das mittlerweile hauptberuflich und was möchtest du erreichen?
Hauptberuflich bin ich Fotograf und habe eine Medienproduktionsfirma für Bild und Bewegtbild. Der Blog war ein Herzensprojekt und ist es immer noch. Wir haben alle „irgendwas mit Medien“ studiert und Spaß daran Content zu produzieren. Da uns die Themen (fast immer) privat interessieren, passt es perfekt.

Ich wünsche mir wirklich, dass der Blog, obwohl das ein Nebenprojekt von uns allen ist, noch lange lebendig bleibt und nicht, wie viele andere Sachen, langsam ausstirbt. Wenn wir das noch lange machen und den Spaß dabei nicht verlieren, dann bin ich wunschlos glücklich.

Wie bist du zur Fotografie gekommen und wann hast du die Leidenschaft dafür entwickelt?
Für Fotos und Video habe ich mich schon früher, mit ca. 14 oder 15, interessiert. Als ich dann nach Deutschland gekommen bin wollte ich jedoch irgendwas „handfestes“ studieren, weil ich Angst hatte was kreatives zu machen. Ich war mir nicht sicher, ob ich dazu auch wirklich kreativ genug bin. Und da meine Eltern ziemlich viel Geld in mein Studium und meinen Aufenthalt in Deutschland investiert haben, wollte ich gerne sicher gehen, dass ich danach unabhängig leben und vielleicht auch etwas zurückgeben kann.

Daher habe ich Mobile Medien an der HdM Stuttgart studiert. Während meines Studiums kam langsam wieder das Interesse Videos zu machen und später auch Fotos. Dann kamen langsam die Aufträge und irgendwann dachte ich „Ok, wenn ich davon leben kann, dann will ich lieber das machen!“

Ich habe mein Studium zwar beendet, das Programmieren seither aber offiziell gegen Medienproduktion eingetauscht und meine Firma gegründet. Ja und das ist es, was ich jetzt so mache.

Was ist wichtiger: Gutes Equipment oder ein gutes Auge?
Eigentlich beides würde ich sagen. Nur mit dem Unterschied, dass man Equipment kaufen kann, ein gutes Auge aber nicht. Ich weiß noch, dass ich vor ein paar Jahren, als Fotografieren nur mein Hobby war, bei den HipHop Open mit Paul Ripke auf einer Bühne stand und wir beide fast 1 zu 1 das gleiche Bild gemacht haben. Also das Motiv und die Perspektive waren gleich und zufälligerweise haben wir das Bild auch beide relativ ähnlich bearbeitet.

Danach sah sein Bild 10 Mal schöner aus als meins, weil er ein anderes Objektiv (ich glaube 24mm oder 28mm) hatte. In der Zeit hatte ich nur ein Objektiv (50mm). Ich will mich jetzt ganz und gar nicht mit ihm vergleichen, aber an dem Beispiel merkt man, dass das Equipment genauso wichtig sein kann.

Wen oder was würdest du gerne mal fotografieren?
Ich mag am meisten Bilder mit echten Emotionen und Motiven die man nicht nachstellen kann, weil sie einmalig passieren. Daher finde ich es spannend Menschen zu begleiten und alles zu dokumentieren was passiert. Wenn diese Menschen dann noch Sachen machen, die mich auch interessieren, ist das natürlich noch besser.

Sollte ich eines Tages mal eine Fußballmannschaft begleiten dürfen, einen weltbekannten Musiker oder einen Präsidenten, dann würde für mich ein Traum in Erfüllung gehen. Ich darf den Rapper „CRO“ seit 2-3 Jahren fast überall hin begleiten und was ich dabei erlebe und festhalten kann ist auf jeden Fall sehr spannend.

Was ist der Weg zum Erfolg? Ist es Glück, Schicksal oder harte Arbeit?
Ich glaub keins davon würde komplett ohne das andere funktionieren. Es kann mal mehr Schicksal als harte Arbeit sein oder andersrum, aber am Ende des Tages spielt alles eine Rolle. Kein erfolgreicher Mensch kam NUR mit Glück dahin, wo er heute steht.

Ich habe meine Firma mit meinen damaligen Chefs gegründet. Hätte das Schicksal mich nicht zum Studium nach Stuttgart geschickt, wären sie nie meine Chefs gewesen und ich wäre jetzt sicher ganz woanders. Doch wäre ich faul hätten meine Chefs auch keine Firma mit mir gründen wollen. Jetzt ist nur die Frage ob ich erfolgreich bin?! 😀

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Schwer zu sagen, aber ich habe mich vor 10 Jahren auch nicht da gesehen, wo ich jetzt bin. Und das finde ich irgendwie schön so. Daher lass ich mich gerne überraschen.

Würdest du etwas ändern, wenn du die Chance dazu hättest?
Ich hätte gerne doch was kreatives studiert. Aber ich kann meine Entscheidung von damals auch zu 100% verstehen.

Wenn du einen letzten Satz zu sagen hättest, welcher wäre das?
Peace für alle und überall.

www.0711blog.de