James Blunt: „Leerlauf kenne ich nicht!“

James Blunt: „Leerlauf kenne ich nicht!“

Der Durchbruch gelang James Blunt im Jahr 2005 mit dem Megahit „You’re Beautiful“ und dem dazugehörigen Album „Back To Bedlam“, welches in seiner Heimat zur meistverkauften Platte der Nuller-Jahre wurde. Am Freitag, 10. August, präsentiert er um 20 Uhr in Heidenheim im Brenzpark sein neues Album „Afterlove“ und alle seine großen Hits. Mit seinem Debüt belebte James Blunt das Songwriting-Genre neu und verkaufte seither 20 Millionen Alben und ebenso viele Singles. Sein Album „Moon Landing“ erreichte in Deutschland dreifaches Gold. Zu seinem neuen Album „The Afterlove“ sagt Blunt: „Ich denke, dass es eines meiner aufregendsten Alben ist. Es ist eine Art Neustart für mich. Man sagt ja: Wenn du dich nicht veränderst, stirbst du, und ich hatte das Gefühl, dass ich auf meinem fünften Album nicht schon wieder dasselbe machen konnte.“ Zur Zeit ist der sympathische Brite auf Welttournee, fand aber Zeit für ein kurzes Gespräch mit uns…

Hallo James, sehr cool, dass das mit dem Interview geklappt hat – wo bist du den gerade?
Ich bin jetzt gerade wieder in London angekommen. Ich bin ja gerade auf Welttournee und der eben abgeschlossene Teil war in Südamerika, Australien und Asien. In London bin ich jetzt gerade für etwas Songwriting und Studioaufnahmen und dann geht es wieder weiter mit der Tour.

Geht es bei den von dir angesprochenen Aufnahmen schon um das nächste Studioalbum?
Ach, ich hab da mehrere Sachen am Laufen. Als nächstes kommt ein Song von mir und Lost Frequencies raus. Aber ich bin tatsächlich auch schon wieder dabei Material fürs nächste Album zu schreiben und aufzunehmen. So etwas wie Leerlauf gibt es bei mir auch selten, wenn ich Pause habe, dann schreibe ich meist darüber, was ich so gemacht habe.

Du hast ja eben schon die Shows in Südamerika, Australien und in Asien angesprochen – wie waren denn die Shows?
Mir hat‘s super gefallen und ich hab jede Menge Spaß gehabt. Aber die Bühne ist ja auch mein tägliches Brot, ich liebe das und wollte früher ja schon immer Musiker und auf Tour sein. Das ist jetzt meine fünfte Welttournee und gerade Südamerika war wieder toll, die Leute gehen da so mit. Australien ist einfach ein faszinierendes Land und in Asien… das ist so vielschichtig, da tut und ändert sich jedes Mal so viel.

Gerade China ist doch bestimmt noch etwas Besonderes, weil da ja nicht so viele westliche Künstler touren, bemerkt man da Unterschiede beim Publikum?
Hmm… (überlegt) ich scheine da Glück zu haben, die Leute mögen meine Musik und erscheinen zu tausenden zu den Shows. Aber um auf deine Frage zurück zu kommen: nein. Für mich sind irgendwie alle Menschen gleich und sie reagieren auch über die gleichen menschlichen Gefühle auf meine Songs. Klar gibt es Unterschiede in den Hautfarben, aber sie haben die gleichen Gefühle.

Ok, dann sind die Reaktionen also weltweit nahezu identisch?
Nein, so kann man das auch nicht sagen, da gibt es schon Unterschiede, teilweise sogar von Stadt zu Stadt – wie auch in Deutschland, da gibt es auch Unterschiede zwischen Shows im Norden, Süden, Westen oder Osten.

Das ist jetzt schon einige Jahre her, aber bevor du selbst riesige Hallen gefüllt hast, warst du 2004 im Vorprogramm von Elton John unterwegs – weißt du noch wie viele Konzerte du in seinem Vorprogramm gespielt hast?
Das ist echt lange her. Aber wir haben im ganzen UK und in Südamerika die Shows eröffnet, das waren schon ein paar Shows.

Kannst du dich noch daran erinnern, wie das war, als jemand wie Elton John sich als dein Fan geoutet hat und dich auf Tour eingeladen hat?
Ja, das war schon eine sehr aufregende Sache, ich hab mit meiner Band damals Shows vor 50 Leuten gespielt und am nächsten Tag standen wir dann vor 50.000! Da hatten wir schon echt Glück, dass er uns da so unterstützt hat!

Und wie war das bei den Shows, habt ihr euch näher kennengelernt, oder war das nicht möglich?
Ach, er ist ein sehr offener, freundlicher und entspannter Mensch. Und es hat sich eine recht enge Beziehung entwickelt – ich habe z.B. an seiner Hochzeit gespielt.

War er denn schon vor der Tour eine Art Held für dich, warst du Fan?
Klar, ich bin großer Fan der 70er, also seiner goldenen Ära, aber eben auch von Leuten wie David Bowie und Bands wie Fleetwood Mac.

Dann bin ich ja froh, dass dieses Aufeinandertreffen bei dir so gut gelaufen ist. Ich hab auch schon von Leuten gehört, die es im Nachhinein schon fast bereut haben persönliche Helden begegnet zu sein, weil die sich manchmal als nicht gar so tolle Menschen herausstellen.
Naja, ich denke, das kommt auch ganz darauf an, ob man den Leuten auf die Nerven fällt! (lacht)

Im Gegensatz zu anderen europäischen Künstlern, ist es dir auch gelungen den amerikanischen Markt zu „knacken“ – füllst du dort ähnlich große Hallen wie in Europa?
Das ist ganz unterschiedlich, es kommt darauf an, welche Phase und Tour man betrachtet. Generell ist es so, dass ich mit unterschiedlichen Alben auch in manchen Ländern unterschiedlich Erfolg habe. Man möchte natürlich mit jedem Song, mit jedem Album und mit jeder Tour mehr Erfolg haben und größer werden. Aber das Leben und auch die Karriere eines Künstlers ist immer in Bewegung. Und gerade das macht es ja lebendig und so bleibt man hungrig. Es kann also schon auch mal sein, dass von das Publikum hier weniger wird, an einem anderen Ort dafür aber deutlich größer. Das ist aber auch hilfreich und man hebt nicht ab.

Gibt es denn manchmal auch den Wunsch mal wieder eine kleine, intime Clubshow zu spielen, anstatt riesige Hallen, wo das Publikum weit weg ist?
Das mach ich gerne wenn ein neues Album kommt, da spiele ich dann ein paar Clubshows, weil man da eben die Emotionen und die Reaktionen auf die neuen Songs ganz direkt mitbekommt. Wir haben sowas auch schon als Abschluss einer langen Tourphase gemacht, so für Freunde und Familie und ein paar Fans.

Ed Sheeran ist ein guter Freund von dir. Ich habe gelesen, dass du ihm das Skifahren beigebracht hast – hat er dir denn auch etwas beigebracht?
Ja, klar, wahrscheinlich sogar gleich ein paar Sachen. Besonders in Sachen Songwriting hab ich da viel von ihm gelernt. Er ist ein richtig schneller Songwriter und in Sachen Texten auch sehr offen und direkt – ich bin eher nicht so deutlich, versuche nicht zu viel Persönliches preiszugeben und es mehrdeutig zu halten.

Zwei Jahre deiner Kindheit hast du ja in Deutschland verbracht, du baust immer wieder mal ein paar deutsche Ausdrücke bei deinen Shows ein – hast du denn auch ein Lieblingswort?
(lacht) Mein Lieblingswort… ich würde mal „Schnellimbiss“ sagen. Als Kind war das der aufregendste Ort und es gab auch noch lecker „Bratwurst“. Ich hatte eine richtig gute Zeit in Deutschland, wir lebten in einem Haus direkt am Möhnesee bei Soest und es war einfach nur wunderschön da. Und im Winter hab ich die ganze Zeit Eishockey gespielt – ich hab nur die besten Erinnerungen an Deutschland.

Dein Vater war ja beim Militär, musstet Ihr da oft umziehen, oder war das eine einmalige Sache?
Wir mussten alle zwei Jahre umziehen und im Prinzip hab ich das bis heute beibehalten! (lacht) Ich war ja selbst auch beim Militär und bin alle zwei Jahre versetzt worden und jetzt als Musiker komme ich auch viel rum!

Ich stelle mir das ja hart vor Freunde zu finden und dabei zu wissen, dass man bald wieder wegzieht…
Naja, als Kind sind einem zwei Jahre aber auch richtig lange vorgekommen. Und man hat ja auch immer unproblematisch Anschluss gefunden, man ging einfach zum Nachbar, klingelte und fragte, ob es Kinder im gleichen Alter gab.

Nochmal zum Thema Songwriting: für dein letztes Album hast du wohl an die 100 Songs geschrieben und daraus dann zehn Ausgesucht, die aufs Album kamen. Und was ist mit den 90 anderen passiert, hast du die in der Schublade für zukünftige Veröffentlichungen?
Ja, genau. Ich hab da verschieden Stilarten ausprobiert und vor allem auch Sachen, die man von mir nicht so erwarten würde. Vielleicht hole ich also selbst mal etwas aus dieser Schublade heraus und schaue es mir nochmal an, vielleicht verkaufe ich aber auch ein paar!

Gibt es denn etwas, dass du in Deiner Karriere unbedingt noch erreichen möchtest, so etwas wie einen noch unerfüllten Traum?
Ach, das wichtigste im Leben ist doch, dass man glücklich ist, enge Freunde hat und schöne Erfahrungen macht. Und ich liebe meine „Job“ als Musiker und freue mich schon sehr auf den Sommer und die Shows in Deutschland! Mir wird das mit dem Touren auch nicht langweilig, ich hab immer wieder mal neue Songs und jeweils eine andere Produktion. Gerade ist ja der Song mit Robin Schulz sehr erfolgreich – was ich gar nicht so erwartet habe, weil das nämlich einer der 90 Songs war, die es nicht aufs Album geschafft haben. Die Plattenfirma mochte den Song gleich sehr gerne, ich konnte ihn mir aber nicht auf meinem Album vorstellen und hab ihn in die besagte Schublade gepackt und gedacht, dass ich nie wieder etwas von ihm hören werde. Und dann bin ich auf Ibiza zufällig Robin über den Weg gelaufen und er wollte den Song unbedingt machen und hat ihn dann in seinem Stil bearbeitet. Und das war so völlig unerwartet – ich hab den jetzt natürlich auch bei mir auf der Setlist. Ich habe also nicht den einen Traum, dem ich hinterherjage; ich genieße einfach meinen Erfolg und dass immer wieder Neues passiert!

James Blunt live erleben:
Brenzpark Open Air
10.08., 20 Uhr, Heidenheim
Tickets: www.xaverticket.de