Danger Dan’s erstes Soloalbum

Danger Dan’s erstes Soloalbum – Reflexionen aus dem beschönigten Leben

Danger Dan von der Antilopen Gang begab sich im letzten Jahr in eine Psychotherapie. Was als Hilfestellung für den Umgang mit einer unter Depressionen leidenden Person in seinem Umfeld begann, entwickelte sich zu einer Standortbestimmung in seinem Leben. Zur Erstellung der Krankengeschichte sollte der Musiker seine wichtigsten biographischen Eckpunkte benennen. Keine leichte Aufgabe. Er hatte mittlerweile so viele Lebensläufe gefälscht und beschönigt, dass er selbst nicht mehr sicher sagen konnte, welche Version denn am ehesten der Wahrheit entspricht. Sein Soloalbum „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“, das am 1. Juni erschien, erzählt daraus. Ein Gespräch über Fehler, Stationen eines Lebens und gruselige Zufälle…

„Reflexionen aus dem beschönigten Leben“ heißt dein Soloalbum. Gibt’s in deinem bewegten Leben Ereignisse, die du gerne beschönigen würdest?
Unendlich viele Dinge würde ich im Nachhinein ganz klar nochmal anders machen. Ich bin zwar froh, dass ich der Mensch bin, der ich bin und kann daher meine Vergangenheit ganz gut annehmen, aber ich hab wie jeder normale Mensch ein paar Umwege genommen, die wirklich nicht nötig waren.

Bei zwei Tracks hast du dir Verstärkung bzw. Gäste dazu geholt, beide sind auf eine ganz eigene Art überraschend. Hast du denn auch Leute auf der Liste gehabt, bei denen es nicht mit dem Feature geklappt hat?
Wenn es darum geht das jeweilige Lied und die Musik zu bedienen, behandele ich meine persönlichen Wünsche sekundär. Die Lieder haben einfach nicht nach Featuregästen geschrien, da sie ja überwiegend Autobiographisch sind. Ansonsten würd ich gerne mal was mit Mikky Blanco oder Blixa Bargeld machen.

Richtig überraschend ist der Track mit Sebastian Krumbiegel von den Prinzen – der ist ja nun nicht ständig auf HipHop-Alben zu Gast. Und er macht auch noch eine überraschend gute Figur. Kanntet ihr euch denn schon vor dem Track?
Nein, wir kannten uns nicht. Ich hatte dieses Lied geschrieben – das ja auch von ihm handelt – und es schon Leuten vom Label und so gezeigt. Plötzlich meldete sich Sebastian und meinte er würde mich gerne mal kennenlernen, weil er Antilopen Gang Fan sei. Ich dachte erst es gäbe ein Leak und irgendwer hätte ihm das Lied gezeigt. Tatsächlich war dem nicht so. Nachdem wir uns dann mal ne Nacht gemeinsam betrunken hatten, habe ich ihm das Lied dann gezeigt und er hatte sofort Lust mitzumachen. Ein gruseliger Zufall.

Die anderen Gäste sind deine Kollegen Kolja und Panik Panzer von der Antilopen Gang. War das so ne Schnapsidee so nach dem Motto “Das hat noch keiner bei nem Soloalbum gemacht, das machen wir!” oder wie kam es zu dem Track?
Wir haben ja auch früher schon öfter Solo-Veröffentlichungen oder Alben in verschiedenen Konstellationen gemacht. Wann immer es ging, war dann natürlich auch der Gang Track dabei. Diese Tradition ist mir wichtig. Ich bin nichts, die Gang ist alles!

Sehr cooler Clip zu „Sand in den Augen“, auch und besonders durch den Abspann und die imposanten Rülpskünste von euch beiden. Machst du dir eigentlich viele Gedanken, ob die Leute dir noch folgen und das alles richtig einordnen können, oder gings wie im Track ja auch angeschnitten, eher um die Diskussion an sich?
Alles was ich nach bald 10 Jahren Antilopen Gang mit Sicherheit über unsere Außenwirkung sagen kann ist: „Niemand peilt die Gang.“ In diesem Fall verstehe ich es gut, wenn Leute angewidert auf das Video reagieren, das war ja auch die Intention. Ich vermute, aufgrund der großen Text-Bild-Schere, wird ein paar Heads erstmalig bewusst geworden sein, wie abscheulich diese Bilder eigentlich sind, die in einem Rap-Video fast schon zum Standardrepertoire gehören. Wenn daraus eine fruchtbare Diskussion entsteht, bin ich nicht traurig.

Shows gibt es dann erst im September, warum so viel Abstand zwischen dem VÖ und der Tour?
Das liegt einerseits daran, dass wir mit der Antilopen Gang noch einen ausgiebigen Festival-Sommer vor uns haben und einfach keine Zeit wäre. Auf der anderen Seite aber auch daran, dass ich doch recht hohe Ansprüche an mich selbst habe und ich in Ruhe Konzeptionieren und Einstudieren möchte, was dann live auf der Bühne passiert. Sowas geht nicht nebenher.

Kannst du schon was zu der Livebesetzung deiner Soloshows sagen, wer ist dabei und was kann man erwarten?
Ich habe auf jeden Fall Lust, Raum für Experimente und Improvisationen zu lassen. Die ernüchternde Wahrheit ist aber, dass ich auch recht ressourcenorientiert planen muss, da meine Traumvorstellungen jenseits jeder Finanzierbarkeit liegen. Ich warte also erstmal ab, wie der Vorverkauf so läuft, bevor ich das Londoner Symphonie Orchester bestätige und dem Pyrotechniker erkläre an welcher Stelle er ihre Geigen in die Luft sprengen soll.

Wenn man die Stationen in deinem Leben mal als Reise betrachtet, dann hast du schon verdammt viele Stempel in deinem Reisepass. Wenn du mal in die Zukunft blickst, was ist schon fix an weiteren Stationen, was hast du noch auf der Liste?
Die Metapher ist gut gewählt. Ich muss das mal genauer planen, aber in mir wächst der Gedanke irgendwann in den nächsten Jahren ein paar Monate für eine Weltreise zu finden und einen Gang zurück zu schalten. Evtl. schreib ich aber auch ein Buch, werde Intendant der Volksbühne oder kombiniere das alles, so richtig planbar ist das Leben ja doch nicht!

(Interview: Tom Jentsch / Foto: Jaro Suffner)