Clueso im Interview!

Q/A: CLUESO

Am 8. Juni kündigte Clueso via Facebook sein kommendes Album „Handgepäck I“ an, das am 24. August diesen Jahres erscheint. Über sieben Jahre lang hat er dafür Lieder gesammelt, die auf Reisen entsanden sind: In Hotelzimmern, Backstageräumen, Studios, Strandhütten, etc. Aufgenommen hat er die Songs nur mit seinem Handgepäck – einer Gitarre, einem Mikrofon und einem Aufnahmegerät. Das Album hat er selbst produziert und gemischt. Seine neue Single „Du und ich“, die am 15. Juni erschien, ist einer der Songs des neuen Albums. Unser Redakteur Tom Jentsch hat mit Clueso gerne und lange telefoniert und dabei so einige interessante Dinge in Erfahrung bringen können…

[IV: Tom Jentsch / Fotos: Christoph Köstlin / www.clueso.de]

Ich bin verwirrt, jetzt biste gerade erst bei den Fantas eingestiegen und jetzt bekomm ich ne Mail, dass im August ein neues Clueso-Album in die Läden kommt… Wie bekommst du das denn alles hin?
Das frag ich mich auch manchmal. Allerdings ist das mit dem neuen Album ja auch etwas Besonderes. Ich hab Kumpels, die regelmäßig bei mir die Festplatte durchstöbern und sagen, dass es das ja wohl nicht gibt, dass ich da noch über 200 unveröffentlichte Songs rumliegen habe. Ich mache halt die ganze Zeit Musik und schmeiß die dann irgendwo hin. Und manchmal hab ich dann dazu auch ne Vision und denke, dass das doch zusammenpassen könnte. Und im Fall von „Handgepäck 1“, dem Album, das dann jetzt rauskommt, hab ich einen eigenen Ordner auf der Festplatte gemacht. Und da ist auch schon wieder unglaublich viel drin, deswegen auch Teil 1, es wird wohl irgendwann Teil 2 geben. In den Ordner habe ich alles reingepackt, wo ich der Meinung war, dass die so nen eigenen Flavour haben; bisschen Vintage, bisschen Gitarre; wie Folk eigentlich, nie up to date, aber auch nie out! Und meine Jungs meinten dann immer nur so, dass die Songs raus müssen und wollten die schon auf andere Alben packen. Und ich hab immer so gesagt „Nee, das sind meine Handgepäck-Songs, Ihr versteht das nicht!“. Deswegen hieß das Album bei meinen Freunden auch schon lange „Running gag“. (lacht)

Cool. Ich hab mit meiner Frage aber auch so ein bisschen darauf angespielt, dass die Promo-Mail für den gemeinsamen Song „Zusammen“ mit den Fantastischen Vier sich damals tatsächlich so las, als ob du da als fünftes Mietglied eingestiegen wärst…
(lacht) Das haben die ernsthaft so rausgeschickt? Das ist ja lustig…

Mich hätte interessiert, wie viele Leute, das tatsächlich für bare Münze genommen haben.
Das kann ich nicht sagen. Ich merk das nur an den Reaktionen der Fans, die halt sagen, dass es schon sehr realistisch ist, was sie in dem Musikvideo gesehen haben. Und das war alles so krass, ich hab Michi z.B. vier Jahre nicht gesehen und dann treffen wir uns bei dem Dreh und ich soll ihn hassen. Ich sollte ihn in der dritten Szene, nachdem wir noch nicht mal Mittag gegessen hatten, in die Nase boxen. Und er meinte dann „Du musst mir richtig gegen die Nase hauen, sonst fühl ich das nicht!“. Und ich nur so „Alter, ich will dir nicht gegen die Nase haun!“ (lacht) Und das hat sich dann über mehrere Szenen so hochgeschaukelt, dass es dann doch richtig realistisch wurde.

Ich hab mich schon beim Anfang im Büro vom Bär so weggeschmissen als Thomas D gesagt hat „Clu-eso, echt jetzt?“ und als Andi dann „Kenn ich gar nicht…!“ meinte, lag ich quasi schon am Boden… und wie du dann ins Büro kamst und Bär diesen Glitzerregen abgefeuert hat und du dich voll erschrickst…
Das wusste ich auch gar nicht, das war ne Spontanaktion vom Bär, die er sich aufgehoben hatte. Das lustige an dem Dreh war ja auch, dass die die ganze Zeit mit der Kamera draufgehalten haben, auch wenn wir gerade nicht gesungen haben. Weil die eben Momente haben wollten. So wars dann nochmal anstrengender, weil wir zwischen den Takes nicht auf Kuschelgang gehen konnten, sondern in unseren Rollen bleiben mussten.

…und ich hab an dem Abend den Refrain auch prompt falsch verstanden – war da aber wohl nicht allein „wir sind zusammen groß, wir sind zusammen alt!“
Unglaublich, oder? Wen muss ich denn bei Google jetzt nerven oder töten, dass die endlich diese Zeile ändern, die da immer noch falsch drin steht?

Ach bei Google kommt das als offizieller Text?
Ja, klar! Da hat sich die Studiosession echt gerächt. Ich hab das morgens eingesungen und Smudo meinte immer nur „Ey, du kannst noch undeutlicher singen. Das muss noch mehr kratzen. Das soll alles nicht so deutlich sein und nicht so poppig!“. Ey, es ist ein fuckin‘ Popsong! Arg viel poppiger als „Wir sind zusammen eins“ geht’s kaum.

Und jetzt wurde der Song auch noch von der ARD zum offiziellen WM-Song gekürt. Hast du da Einblick, was das für Auswirkungen auf die Klicks und Verkäufe hat?
Nee, weils ja nicht mein Song ist. Aber das coole ist, dass wir den Track ja nicht auf Fußball angelegt haben. Die Fantas haben in ihrem Leben so viele Alben und Tracks mit Tiefgang und Doppeldeutigkeiten gemacht, und das ist jetzt eben einfach mal ein Partysong. Bei mir ist das ja ganz ähnlich und ich gönn uns das allen so, dass wir auch mal so ne Nummer haben. Der Claim des DFBs war halt „zusammen“ und es ist ein Zufall, dass das so gepasst hat. Da hat dann eben jede Plattenfirma ihre aktuellen Songs vorgelegt, die Potential haben und dazu passen könnten – bei uns war das die Sony – und da haben die nicht schlecht gekuckt, weil ich ja fußballtechnisch gar nicht so versiert bin. Bei der WM fiebere ich natürlich trotzdem immer mit. Und vor ein paar Jahren hab ich auch mal gesagt, dass ich niemals so ne Fußball-Hymne schreiben werde! Ich wollte es ja auch nicht, aber jetzt ist es eben passiert.

Zurück zum neuen Album „Handgepäck I“. Diese Songs, die du über die Jahre auf Reisen und Touren geschrieben und auf der Festplatte gehortet hast. Über welchen Zeitraum sind die Songs denn entstanden?
Über sieben Jahre. „Dünnes Eis“ ist sogar noch älter. Vor sechs, sieben Jahren hab ich aber angefangen für „Handgepäck“ Sachen auszuwählen und in diesen Ordner auf der Festplatte zu packen. Ganz ähnlich wie beim Essen, wenn man sich das Gute an die Seite legt und für den Schluss aufhebt! (lacht) Ich hab mein Mikro, das Zoom, immer im Koffer dabei. Das ist nicht groß und man kann es auch als Interface verwenden und direkt mit der Gitarre reingehen und damit aufnehmen. Und nachdem ich das jetzt echt schon lange mache, wurde es Zeit nicht mehr nur darüber zu reden und es auch zu veröffentlichen. Wenn ich jetzt noch ein reguläres Studioalbum dazwischen geschoben hätte, hätte ich mir wohl selbst nicht mehr geglaubt. Und ich hab auch angefangen es mischen zu lassen, aber meine Jungs meinten dann, dass die Rough-Mixe, die ich so rausgerechnet habe, damit sie die Songs hören können, eine Spur emotionaler und somit besser seien. Und dann hab ich mich selbst hingesetzt und das teilweise bei Zugfahrten oder im Studio nebenher selbst gemischt und produziert.

Du hast den reduzierten Charakter der Songs angesprochen, wird es eine separate Tour dazu geben, wo du dich auf die Tracks konzentrierst, oder werden ein paar der Tracks ins reguläre Set eingebaut?
Beides. Ich werde bei den Festivals im Sommer mit Sicherheit „Du und ich“ spielen um auch das Album zu promoten. Außerdem gibt es bei meinen Shows eh immer Abschnitte mit Akustikgitarre. Da das Album selbst, wie ich finde, aber nicht diese klassischen Radiosongs beinhaltet, möchte ich das auch noch anders präsentieren. Wie ich das mache, weiß ich aber noch nicht. Ich mach ja manchmal so Spontankonzerte mit nur zwei Musikern, wo wir dann auch nur zu dritt auf der Bühne sind. Oder ich mach es in der „Handgepäck“-Konstellation, da ist es ja meistens, auch wenn ich viel selber gespielt habe, Schlagzeug, Gitarre, Bass und mal ein Cello oder so. Auf jeden Fall wird es im November eine entsprechende Tour geben; da basteln wir gerade daran rum und werden das dann bald bekannt geben.

„Mein Opa sagt immer, wer stimmt hat Angst!” hast du mal gesagt – hat dir der Opa auch die Musik nahegebracht, oder wie kamst du zum Musizieren?
Das war tatsächlich hauptsächlich der Opa, der mich auf den Weg gebracht hat. Er hat das dann an uns alle weitergegeben. Die Geburtstage damals, als er noch länger spielen konnte, waren immer sehr geil, weil er dann über Stunden Songs von sich und anderen gespielt hat. Er hat mir total viel gezeigt und hatte auch immer geile Sprüche, so beim Mikrotest so „Mi, mi, mi, mi… mehr Gage!“. Ein lustiger Typ. So‘n klassischer Künstler bzw. Musiker mit dem man ein total ernstes Gespräch führen kann und dann vom einen auf den nächsten Moment zu totalem Nonsens switchen kann. Er ist da in Teilen total Kind geblieben. Und man merkt halt, dass das Berufsleben bei vielen was Charaktermäßiges macht.

War der Opa dann Berufsmusiker, oder war das „Hobby“?
Beides. In der DDR hatte man damals auch nicht die Möglichkeiten, er hat aber quasi überall gespielt, es war also auf jeden Fall Berufung und das merkt man auch. Er ist auch irgendwie ein ganz Großer, aber er hatte jetzt nie die Möglichkeit über Fernsehshows oder sowas berühmt zu werden. Und deswegen ist er dann am Ende Feuerwehrmann geworden und ist dann immer mit der Truppe durch die Kneipen und Bars gezogen. Auch das war zu DDR-Zeiten nicht leicht, weil man ja sehr aufpassen musste, was du auspackst und wie du es singst – sonst war man ja auch schnell mal weg.

2015 hast du dich von deiner Band getrennt und die Zeichen auf Neuanfang gestellt. Wie geht’s dir heute, fast drei Jahre später, mit diesem Cut?
Mir ging‘s danach schon auch sehr gut, weil ich gemerkt habe, dass es wirklich ne Erleichterung ist, aber mit dem Schmerz zu leben und zu wissen, dass dieser Teil jetzt wirklich zu Ende ist, das war nicht so gut. Und das Album „Neuanfang“ ist dann auch derart schnell entstanden, wie sonst keines meiner Alben, wohl auch durch diesen Schmerz. Dann brauchte ich eine Band und wollte aber nicht wieder zurück, das wäre mir zu krass gewesen. Ich hab dann eine neue Band gegründet und mit der bin ich so happy! Ich möchte aber keinen Tag der Jahre mit der alten Band missen und vermisse die Leute auch sehr. Ich trau mich manchmal auch nicht die anzurufen, wie in einer richtigen beendeten Beziehung auch.

Dann lass mal durchgehen, was in der Zukunft vielleicht so ansteht und geplant ist, wie wäre es mit einem Weihnachtsalbum?
Nee, das seh ich irgendwie nicht. Allerdings fand ich diese Robbie Williams-Swing-Sache sehr cool. Ich übernachte sehr gerne in sehr alten Hotels und höre da dann immer gerne Frank Sinatra. Und da könnte ich mir vorstellen, irgendwann mal so eine Platte zu machen. Ist aber nicht eilig, wird also nicht das nächste Projekt sein. Ein Unplugged könnte ich mir auch gut vorstellen, aber ich hab auch tonnen Beats auf Halde. Ich bau total gerne Beats, geht dann schon eher in die Urban Richtung, sehr Groove-orientierte Sachen mit Synthesizern. Das würde ich auch irgendwann gerne veröffentlichen, auch wenn das einige Leute bestimmt auch schocken würde, weil‘s recht weit entfernt ist von dem, was ich sonst so mache. Du siehst, ich hab viel zu tun, viele Ideen!

Und das ist gut so, ich freu mich immer über Neues von dir! Danke fürs Interview und weiterhin alles Gute und viel Erfolg!
Ich danke fürs Interview, war ein sehr schönes Gespräch, hat mich sehr gefreut!