Blackout Problems im Interview!

Q/A: BLACKOUT PROBLEMS

Kontrolle abgeben, Augen zu und mit voller Energie hinein ins Kaos! Blackout Problems wagen zwei Jahre nach ihrem Debüt den Blick nach innen und zeigen sich als musikalisch wie persönlich gewachsenen Alternative-Rock Band, der man die emotionalen Extremsituationen eines Lebens zwischen Dauer-Tour und künstlerischem Befreiungskampf zu jeder Sekunde anhört. Ihr neues Album „Kaos“ vertont nun in sphärischen Gitarrenflächen und Texten den Moment des Aufbruchs ins Unbekannte, dicht gefolgt von ständiger Resignation und Zweifel. Die Sekunde, in der alles in sich zusammenfällt. Und Neues entsteht. Unser Redakteur Tom Jentsch hat mit ihrem Sänger Mario Radetzky über das neue Album gesprochen…

[IV: Tom Jentsch / Fotos: Ilkay Karakurt / www.blackoutproblems.com]

Vor ein paar Tagen ist euer neues Album „Kaos“ erschienen. Der Titel und der Infotext (wo von Situationen mit extremen Gefühlen gesprochen wird) deuten schon in eine unruhige Richtung – was hat den Stoff fürs Album geliefert?
Das Leben. KAOS reflektiert musikalisch sowie lyrisch den persönlichen Verlauf unserer letzten beiden Jahre. Es gab einige Aufs und viele Abs, die danach schrien, ein persönliches Album zu veröffentlichen. Eine Prämisse unserer Band ist ehrlich zu sein. Das hat im Falle von KAOS etwas Neues von uns abverlangt. Wir mussten den Blick nach Innen zulassen und bereuen es nicht.

Was hats mit der besonderen Schreibweise auf sich?
Wir wollten dem Ganzen noch einen etwas eigenen Touch geben. Unsere letzten Veröffentlichungen hatten auch immer vier Buchstaben. Nun sind wir auch noch zu viert in der Band. Das passt doch irgendwie alles zusammen. Wie eine kleine Verschwörung.

Ihr seid seit Jahren besonders auch als exzellente Liveband bekannt, hier und da konnte man aber lesen, dass ihr diese Live-Energie noch nicht auf CD konservieren konntet – ist das mit dem neuen Album (besser) gelungen?
Ich finde, wir haben sehr viel dazu gelernt und auch den Sound verbessert, aber ob das alles gut oder schlecht ist, vermag ich selbst gar nicht zu entscheiden. Das überlassen wir liebend gerne den Hörern. Wir selbst sind sehr zufrieden mit dem, was wir geschafft haben.

Stilistisch habt ihr euch über die Jahre von frühen, punkigeren Zeiten zu einer modernen Alternative Rock-Band entwickelt. Gerade das neue Album ist ein weiterer, großer Schritt. Seid ihr jetzt da, wo ihr hinwolltet oder ist die stilistische Ausrichtung der Band eh immer in Bewegung?
Ist man denn jemals irgendwo angekommen? Also ich kenne das Gefühl kaum. Das hat bei mir immer eine sehr kurze Halbwertszeit. Einen Tag nach Release der Platte saß ich am Boxhagener Platz, hab ins Leere gestarrt und mich gefragt, wie es jetzt weitergehen kann. Ich will auch nicht stehen bleiben. Im Leben geht es darum, sich ständig zu entwickeln, das macht es ja spannend. Stillstand, Lethargie, das sind Dinge, die zwar hin und wieder gut tun können, aber auf lange Sicht keinen Wert haben. Langer Rede kurzer Sinn: wir sind nirgends angekommen. Die Reise geht ständig von Neuem los.

Vor Veröffentlichung wart ihr gerade noch mit Jennifer Rostock auf Tour. Wie war die Tour, habt ihr da zu 100% hingepasst?
Die Tour war super. Jennifer Rostock haben uns gefühlt auf Händen getragen und waren sehr, sehr freundlich und respektvoll. Wir haben die Zeit sehr genossen und wussten aber auch, dass die Leute wegen der Hauptband vor Ort sind. Es gab immer ein paar, die es gut fanden und bestimmt auch ein paar, die uns nicht mochten. Unterm Strich geht man aber aus so einer Tour natürlich mit einer Menge neuer Erfahrung, neuen Hörern und neuem Know-How auf jeden Fall als Gewinner hervor.

Mit dem letzten Album habt ihr es sogar in die Albumcharts geschafft, wie sieht’s dieses Mal aus? Ist das ein wichtiger Indikator für euch?
Ob das klappt oder nicht, sehen wir morgen. Ich befinde mich gerade im Sprinter auf dem Weg ins Hotel, nachdem wir auf dem Southside gespielt haben. Das Chartergebnis kommt in 12 Stunden, dann gucken wir mal, was passiert. Wir sind entspannt und locker. Wir haben alles in die Platte gesteckt, was ging, jetzt sehen wir mal, was damit passiert, aber am Ende sind Charts auch nur ein paar gebündelte Verkaufszahlen. Das sagt nicht so viel über den Werdegang einer Band aus. Bruce Springsteen ist einer der begnadetsten Musiker, den diese Welt hat. Kein Mensch interessiert sich dafür wie er chartet. So etwas finde ich beeindruckend.

Im Oktober tourt ihr in Großbritannien. Das ist für eine deutsche Band immer noch die Ausnahme; habt ihr da schon eine Fanbase oder wie kommts zu den Shows?
Wir fahren als Support nach England und Schottland und lassen uns komplett überraschen. Unser geschätzter Freund Nico Laska war schon mal dort auf Tour und hat sehr geschwärmt. Wir werden sehen, was passiert. Anfang des Jahres waren wir zum ersten Mal in Frankreich, das war schon richtig gut. Je weiter wir unsere Musik bringen können, desto schöner, ganz nach dem Motto: „Start a band, see the world.“

Bis in den Dezember stehen Shows auf der Homepage, wie sehen die Pläne darüber hinaus aus, was habt ihr auf dem Schirm?
Bis zum 1. Dezember spielen wir 2018 fast jede Woche irgendwo. Über Weihnachten sammeln wir uns kurz und dann geht es im Januar schon wieder weiter. Wo, wie und wann wird gerade geplant und das werdet ihr auf unserer Homepage bestimmt als erstes erfahren. Wir sind für alles offen und verspüren eine süße, süße Lust mehr zu erleben. Was genau passiert, steht in den Sternen, aber bleibt da gerne dran!