Interview: Lary

Die Wahlberlinerin Lary ist Sängerin, Bloggerin, Model und Schalke 04 Fan. Sie ändert gerne ihre Meinung, weiß aber genau, was sie will. Larissa Sirah Herden, wie Lary bürgerlich heißt, ist 1986 in Gelsenkirchen als Tochter eines Engländers und einer Deutschen geboren. Nachdem sie ihr Abitur machte, studierte sie in Düsseldorf Medien- und Kulturwissenschaften und ging irgendwann nach New York. Dort blieb sie nur kurz, modelte, jobbte und machte in Bars und auf der Straße Musik. Vor sieben Jahren zog sie nach Berlin – auch weil sie deutsche Musik machen wollte. 

Ihr Musikstil lässt sich als eigensinnige und düstere Poetik beschreiben – Lary hat ihren eigenen Stil entwickelt und spielt bewusst mit widersprüchlichen Impulsen. Die Sängerin sieht selbst ihre Arbeit als Versuch, ihr seelisches Chaos zu ordnen. 

 

Interview: Tom Jentsch / www.larysays.com

Hallo Lary, erzähl doch bitte mal, was seit deinem Debüt und den Aufnahmen zum zweiten Album so passiert ist…
So ein Album ist ja irgendwie ein fließender Prozess. Ich bin zwischendurch viel mit „So wie du bist“ und Mo Trip unterwegs gewesen und habe mir ein bisschen Zeit genommen, mich persönlich und als Musikerin weiter zu entwickeln. Ich habe gelebt, geliebt, entliebt, geschrieben, verworfen usw. 🙂 

Ich fand dein Debüt sensationell – deutsche Texte zu nem so gar nicht deutschen Sound. So richtig mega eingeschlagen hat das Album aber nicht. Wie siehst du das Debut heute, fast vier Jahre später?
Danke! Es kommt ein bisschen darauf an, aus welcher Perspektive man es betrachtet. Das erste Album hat nie versucht, kommerziell zu „funktionieren“. Daher finde ich, ist es eigentlich ganz gut gelaufen. Die Platte ist ziemlich nah an der Person dran, die ich zu der Zeit war und das ist immer mein Anspruch. 

Die Kollegen stehen schon lange voll hinter dir: Jan Delay hat dich z.B. ohne dich zu kennen gelobt und Flo Mega hat dich, genau wie die Fantastischen Vier, mit auf Tour genommen. Wie wichtig ist dir Anerkennung von Kollegen?
Es ist hilfreich, wenn jemand der aus eigener Erfahrung weiß, wovon er spricht oder sogar jemand zu dem man aufschaut, hinter dir steht. Generell glaube ich aber, dass man seinen Blick lieber nach Innen als nach Außen richten muss, um irgendwie weiter zu kommen. 

„Hart Fragil“ heißt dein neues Album und trägt die Gegensätze schon im Titel. Was hat sich geändert im Sound und was war dir besonders wichtig bei der Produktion?
Der Sound ist handgemachter und düsterer geworden, aber auch ehrlicher und zerbrechlicher. Ich würde sagen, die Produktion ist mit mir gewachsen. Mir war es sehr wichtig, dass sowohl Text und Stimme, aber auch die Produktion mich in allen Facetten (oder zumindest in denen, die mir zu dem Zeitpunkt bewusst waren), reflektiert. 

Stichwort Gegensätze, wenn man deine Tracks hört und die Videos sieht, kommt das immer sehr lasziv und manchmal auch etwas divenhaft rüber. Wenn man dann aber Interviews mit dir sieht, wirkst du sehr humorvoll und eher so wie ein Typ „zum Pferdestehlen“ – schizophren ist ein definitiv zu hartes Wort, aber genießt du das Spiel mit verschiedenen Rollen?
Gar nicht – im Gegenteil. Ich zeige beide meiner Seiten, weil ich lieber keine Rolle spiele. Fast alles in der Welt lebt von und durch Dualität, nur wir Menschen tun immer so, als hätten wir damit nichts zu tun und wären nur eine bestimmte Sache. Vielleicht weil wir verstanden werden wollen. 

Zu deinem Geburtstag (alles Gute nachträglich!) hast du dir einen Handy-freien Tag gegönnt. Hast du ein zwiespältiges Verhältnis Thema zu Facebook/Instagram & Co.?
Total. Wie zu den meisten Dingen – es gehört dazu und macht mir auch oft Spaß, aber sobald es wie in Promophasen zum Zwang wird, würde ich mein Telefon am liebsten aus dem Fenster werfen. Momentan fühle ich mich sehr überfordert von allem, was mit Social Media zu tun hat und lasse mein Telefon so oft es geht Zuhause. 

 

LARY: HART FRAGIL