Tapas vor Stil: KID SIMIUS

Grellbunt, verwegen, leichtherzig, universell und tief persönlich – der gebürtige Spanier Kid Simius gilt als Ausnahmemusiker in vieler Hinsicht: Bereits im Alter von 16 Jahren begann Kid Simius elektronische Musik zu machen. Nach seinem Schulabschluss studierte er Psychologie. Mit 22 Jahren brach er sein Studium ab und zog von Andalusien nach Berlin, um dort als Musiker voll durchzustarten. In der Berliner Underground-Szene als namenhafter Techno- und House-DJ bekannt, tourte er bereits um die halbe Welt. Kid Simius’ Musikstil lässt sich nicht klar identifizieren: Er produziert Hip Hop, Bassmusik, Surfpop, psychedelischen und elektronischen Pop. 

Im Oktober erscheint sein neues Album „Planet Of The Simius“. Zu hören ist melancholisch angehauchter Boogie-Pop, handgemachter House, psychedelischer Rap, sizilianische Arbeitslieder und immer wieder Referenzen an die goldene Disco-Ära. Zeitlos gute Songs und den Sound des Hier und Jetzt eben… 

Interview: Laura Kiwitt
www.kidsimius.com

Herzlichen Glückwunsch zum neuen Album! Laut Pressesheet sprengst du auf „Planet Of The Simius“ (VÖ: 02.11.) gekonnt die Genregrenzen zwischen Pop, House, Soul und Rap. Erzähl uns doch bitte mehr zu deinem neuen Album…
Danke euch! Ich habe das Album mit ganz vielen Gästen aus verschiedenen Orten der Welt gemacht, die ich entweder auf meinen Reisen oder via Internet in den letzten Jahren kennengelernt habe. Mir ist es super wichtig, Spaß bei der Musik zu haben und diese immer noch als ein Hobby zu betrachten. Deswegen habe ich mich einfach mit netten Leute getroffen und zusammen Musik gemacht. Davon bin sehr begeistert und wenn man selber begeistert ist, kann man auch andere Menschen begeistern!

Vor deiner Musikerkarriere hast du in Spanien Psychologie studiert. Ab wann war für dich klar, das Studium abzubrechen und für die Musikkarriere nach Berlin zu kommen?
Damals hatte es sich ganz logisch und klar angefühlt, aber wenn ich zurück denke, war es schon verrückt. Wenn man jung ist, gibt es Sachen, die man einfach macht, weil man es fühlt, ohne zu viel nachzudenken. Ich war 21 Jahre und dachte: Wenn Musik das ist, was mir am meisten Spaß macht, dann sollte ich einfach nur Musik machen.“ Am Ende ist es ja so, dass dich Plan B immer von Plan A ablenkt. Zum Glück war es bisher eine der besten Entscheidungen, die ich jemals getroffen habe.

Das ist schon ein relativ gewagter Schritt. Was reizt dich am Produzieren und Auflegen besonders?
Wenn ich eine gute Idee oder einen geilen Beat aufgenommen habe oder eine gute Show gespielt habe, bekomme ich ein super starkes Gefühl von Ruhe und Zufriedenheit. Leider dauert dieses Gefühl nur einen Moment, deswegen muss ich weiter Stücke schreiben und Shows spielen, damit dieses Gefühl – zumindest für eine kurze Zeit – wieder kommt. 

Du bist ja bereits schon um die halbe Welt getourt. Was schätzt du besonders an Live-Auftritten und was war dein bestes Erlebnis bisher?
Beim Auftreten liebe ich es, das direkte Feedback von den Leute zu erleben: In die Gesichter gucken und die Freude zu sehen, die meine Musik vermittelt – das ist unbezahlbar. Für mich ist die Show quasi das Geschenk von dem kompletten Musikkonstrukt drumrum: Stunden lang üben, im Studio arbeiten, Stücke schreiben, das lange Reisen, fahren, fliegen, aufbauen, abbauen etc. Und das alles nur für diese eine oder zwei Stunden Show. Als ich 17 Jahre alt war, war ich mit meinen Freunde beim FIB Benicassim Festival in Spanien. Ich war der größte Fan von diesem Festival und endlich war ich selbst da. Ich habe damals zu meinen Freunden gesagt, dass ich selbst eines Tages auf der Bühne dieses Festivals spielen werde. Die haben nur gelacht. Als ich zurück in Granada war, begann ich Musik zu mache und elf Jahre später stand ich tatsächlich auf diesen Bühnen und spielte meine Musik. Ein paar meiner damaligen Freunde waren auch da und es war sehr speziell, so hatte sich der Kreis geschlossen. Trotzdem – es ist super schwierig, nur ein Konzert auszuwählen, weil es bisher viele Highlights gab. Sehr schön war es auch, als Support von den Crystal Fighters in meiner Heimatstadt Granada aufzutreten. Ein Festival, wo ich mich super wohl fühle und bei dem ich schon dreimal gespielt habe, ist das Maifeld Derby in Mannheim. Das war krass und ich werde immer sehr dankbar sein – gegenüber dem Publikum und dem Festivalteam für die geile Energie! Andere Festivals wie Fusion, Melt oder Tauron Nowa Muzyka waren auch immer großartig – genauso wie Soloshows auf meinen Touren in Hamburg, Berlin, Köln oder Rostock. Jeder Show, die man hat, ist ein Geschenk und ein Highlight.

Jede Show, die man hat, ist ein Geschenk und ein Highlight.

 

Was präferierst du mehr, um Musik zu machen: große Festivals und Konzerte oder kleine Clubs?
Am Ende der Festival-Season habe ich langsam Bock auf die Clubs und die Konzerte und am Ende der Club/Konzerte Season habe ich langsam wieder Bock auf die Festivals. Ich habe keine Präferenz – wenn die Leute gut gelaunt sind und Lust auf meine Musik haben, ist es das Beste; egal ob es 10 sind oder 10.000 und egal, ob Indoor oder Outdoor.

Viele hundert Kilometer von deiner Heimat Spanien entfernt – was vermisst du besonders daran und was ist der größte Unterschied zu Berlin?
Wetter, Essen, Kultur, Familie – alles halt. Ich vermisse die Zeit, in der man total naiv und ohne Sorgen war. Diese Zeit habe ich in Granada erlebt. Granada ist der Ort, der mich am meisten beeinflusst hat und ich bin total stolz, dass ich aus Granada komme. Granada ist eine sehr besondere Stadt. Wenn man in die Geschichte eintaucht, kann man sehen, wie viele Kulturen da gelebt haben. Der Mix von diesen Kulturen ist das, was heute die Granadinos sind. Große Künstler wie Joe Strummer, Lou Reed, Patti Smith, Bono oder Michael Stipe waren auch sehr beeinflusst von Granada und den dortigen Künstlern – das mach mich stolz. Berlin ist eine große Stadt, in der man jeden Tag Chancen bekommt, etwas Cooles zu machen, um sich weiter zu entwickeln. Die Auswahl an Möglichkeiten ist unendlich und die Stadt verändert sich jedes Jahr. Ich bin ultra dankbar, für das, was mir Berlin gegeben hat. 

Dein Stil lässt sich nicht klar identifizieren – elektronische Beats, aber auch Rap und Pop sind zu hören. Was ist aus deiner Sicht das Besondere an deinem Stil?
Dass mein Stil mir komplett egal ist! Ich möchte einfach nur begeistert von mir selbst sein und eine gute Zeit haben – wenn das mit einem Rap Beat oder mit einer House Nummer passiert, ist für mich nicht relevant. Es hat mehr mit der Haltung, der Einstellung und der Ideologie zu tun, die man zur Musik hat, als nur einen Stil zu fahren. Ich glaube ganz fest dran, dass man das raushört. Trotzdem war das auch für mich eine Zeit lang ein Problem, weil ich nicht wusste, wo ich eigentlich genau hingehöre. Mittlerweile habe ich gelernt, das zu akzeptieren und es abzufeiern, wie es ist. Einmal habe ich mit meinen besten Freund und Manager darüber geredet; es ging um die deutsche Küche. Er sagte, dass es in deutschen Restaurants normal ist, ein Hauptgericht zu bestellen, in Südspanien haben wir aber Tapas, also viele kleine Portionen – und diese ergeben dann ein Gericht. Er meinte, meine Musik soll wie Tapas sein – kleine, ganz unterschiedliche Portionen von verschiedenen Gerichten. Ich denke, so könnte man meine Musik wirklich beschreiben.

Meine Musik soll wie Tapas sein – kleine, ganz unterschiedliche Portionen von verschiedenen Gerichten. 

 

Würdest du etwas anderes machen, wenn du noch einmal die Chance dazu hättest?
Nicht so richtig. Natürlich hat man viele Fehler gemacht, die man nie wieder machen würde, aber diese Fehler haben auch gewisse Kenntnisse mit sich gebracht: Es gibt keine Fehler, es gibt nur Erfahrungen. Man kann immer das Beste aus sich rausholen!

Wenn du gerade mal keine Musik machst – hast du andere Leidenschaften?
Seit ich von Musik leben kann, habe ich versucht, mir eine Hobby zu suchen: Tennis spielen, Jogging, malen, kochen, Basketball… Ich dachte, Musik ist jetzt mein Beruf und ich sollte mir paar Hobbys suchen zum Abschalten. Das hat aber nie auf einer konstanten Ebene geklappt: man muss die Sachen so akzeptieren wie sie sind. Das heisst, wenn ich freie Zeit habe, versuche ich, meine Familie zu sehen und Freunde zu besuchen.

Gibt es etwas, das du in deiner Karriere unbedingt noch erreichen möchtest, so etwas wie einen unerfüllten Traum?
Ganz konkret habe ich keine unerfüllten Träume – im Grunde eigentlich nur, von Musik zu leben – das ist das, was ich mir immer gewünscht habe. 

Zum Abschluss: Kid Simius in 10 Jahren – wie sieht deine private und musikalische Zukunft aus?
In 10 Jahren werde ich 40 sein. Ich hoffe, ich bin öfter in meiner Heimat Granada als momentan und dass meine Familie und Freunde gesund bleiben und ich immer noch Musik mache und Shows spiele. Es gibt einen spanischen Song, der ausdrückt: Im Leben gibt es drei Sachen – Gesundheit, Geld und Liebe. Diese drei Sachen wünsche ich mir auch in 10 Jahren. 

KID SIMIUS:
PLANET OF THE SIMIUS
VÖ: 02.11. 

 

Fotos © Chris Schwarz & © Cris Beltran