Urban Hero: Christian Frumolt

Alter: 37 / Wohnort: Aalen / Beruf: Fotograf 

 

Neun Tage 170 km quer durch Grönland, ein Roadtrip durch Australien oder von den Rocky Mountains bis ans Meer – Der Aalener Fotograf Christian Frumolt verbindet seine Leidenschaft, die Fotografie, regelmäßig mit Outdoor-Trips und hält die spannendsten Erlebnisse auf seinem Blog www.frumoltblog.com und seinem IG-Profil @chrisfrumolt fest.  

Ursprünglich studierte Christian an der Freien Fotoschule in Stuttgart. Die Fotografie ist ein wesentlicher Bestandteil seines Lebens geworden – Er lässt sich ständig neu inspirieren und gibt sich mit Altbewährtem nicht zufrieden. Erfahrt im Interview mehr von Christians Erlebnissen und Erfahrungen rund um die Fotografie…

 www.frumoltblog.com 

Hi Christian – Vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst! Wie entstand deine Leidenschaft fürs Fotografieren und was schätzt du am meisten an der Fotografie?
Die Leidenschaft zum Fotografieren war schon immer da. Als ich von 2003 bis 2004 für ein ganzes Jahr in Australien lebte und dabei nur eine analoge Kamera für 50€ dabei hatte, wurden mir dadurch sehr schnell die Grenzen der Fotografie aufgezeigt. Ich beschäftigte mich immer mehr mit dem Thema und begann damit, meine erste Spiegelreflex zu kaufen und fotografierte primär in der näheren Umgebung hier. Fotografie bzw. Bilder sind so faszinierend, weil sie im Laufe der Zeit immer wertvoller werden. Damit meine ich nicht den materiellen, sondern den emotionalen Wert. Es ist doch wunderbar, alte Bilder anzuschauen. So viele Erinnerungen werden wieder lebendig!

War das schon immer dein Traum, als Fotograf hauptberuflich zu arbeiten oder hat sich das nach und nach so ergeben? Gab’s jemals Alternativen dazu?
Bevor ich mich für die Fotografie entschieden habe, studierte ich drei Semester internationales BWL und war danach noch im sozialen Bereich tätig. Es war also ein langer Entscheidungsprozess, den ich bis heute nicht bereue. Alles hatte und hat seinen Sinn.

Du betreibst einen sehr interessanten Blog, der die Geschichten hinter den Bildern darstellt. Wie kamst du auf diese Idee?
Der Blog entstand hauptsächlich durch die Hochzeiten. Ich wollte einfach die Geschichten in Bildern erzählen. Nach und nach kamen natürlich meine Reisen hinzu.
Die Reiseblogs sehe ich persönlich aber inzwischen auch als mein eigenes (wenn auch öffentliches) Tagebuch.  Durch diese Blogs leben die Reisen immer weiter. Und sie inspirieren mich selbst und auch die Leser für Neues. 

Begeistere dich für etwas und du wirst andere dafür begeistern. 

Wie gehst du bei der Erstellung eines neuen Beitrags vor? Welche Kriterien müssen deine Bilder erfüllen, um auf deinem Blog und IG-Profil veröffentlicht zu werden?
Zuallererst sollten die Bilder und das Thema vor allem mir gefallen.
Hat man für etwas Begeisterung, so ist das auch in den Texten, Bildern oder Videos sichtbar. Werden Dinge nur für andere gemacht, ohne selbst dahinter zu stehen, ergibt dies aus meiner Sicht keinen Sinn.
Begeistere dich für etwas und du wirst andere dafür begeistern. Und tun das andere nicht, dann sind sie auf meiner Seite eh falsch. Denn Geschmäcker sind ja verschieden. 

Was schätzt du, für dich als Fotograf, besonders an IG als Sharing-Plattform?
Instagram ist Fluch und Segen zugleich. Für einen selbständigen Fotografen ist es eine tolle Plattform, da hier relativ einfach eine große Zielgruppe angesprochen werden kann. Auf der anderen Seite verliert meiner Meinung nach das einzelne Bild unglaublich an Wert. Man schaut sich ein total tolles Bild an und scrollt dann sofort weiter. Die Bilderflut ist einfach zu groß und es wirkt somit leider ziemlich übersättigt.
Auf der anderen Seite verliert meiner Meinung nach das einzelne Bild unglaublich an Wert. Man schaut sich ein total tolles Bild an und scrollt dann sofort weiter. Die Bilderflut ist einfach zu groß und es wirkt somit leider ziemlich übersättigt. 

Mal schnell ein Bild mit der Handy-Kamera für IG und Co. – Kommt das für dich überhaupt noch in Frage?
Handybilder haben einen zu Unrecht völlig schlechten Ruf. Auch wenn Handybilder technisch nicht immer die perfekte Qualität haben, so hat man das Phone meistens dabei und somit gleichzeitig auch in vielen einzigartigen, emotionalen Momenten. Deshalb kann ein verwackeltes Handybild eine viel größere emotionale und auch authentische Bedeutung haben, als ein perfekt inszeniertes Bild.

Wedding, Fotoworkshops, Outdoor Portraits und private Foto-Projekte – Was macht dir am meisten Spaß und warum?
Alles hat seinen Reiz. Die Hochzeiten waren von Anfang an da.
Es ist toll, Menschen an diesem tollen Tag zu begleiten und danach die lachenden und glücklichen Gesichter zu sehen, wenn ich ihnen die Bilder übergebe. Bei den Workshops ist es unglaublich toll, genau das, für was man sich selber begeistert, an andere Menschen weiterzugeben. Die Fotoprojekte sind quasi mein Motor, mein Antrieb, meine Motivation und meine Meditation für alle meine weiteren Fotoaufträge. Bei den Fotoprojekten kann ich einfach genau das umsetzen, was ich möchte und man öffnet ständig seinen eigenen Horizont. Auch weiß ich vor einer Reise nie, was mich erwartet. 

Auf deinem Blog schreibst du: „Ich lasse mich ständig neu inspirieren und gebe mich mit altbewährtem nicht einfach zufrieden.“ Woher nimmst du die Inspiration und wie schaffst du es, dich fotografisch immer wieder auf verschiedene Charaktere und Situationen einzustellen?
Am leichtesten ist es, sich einfach auf die neue Situation einzulassen. Altbewährtes auch mal „alt und vergangen“ sein zu lassen und keinerlei Vorurteile zu hegen, denn dann ist man auch viel neugieriger und kreativer. Bei Portraits ist das ganz wichtig. Jeder Mensch hat seine fotogene Seite und einen eigenen, interessanten Charakter. Und genau diese spannende Seite sollte auch fotografiert werden.

Wie gehst du vor, wenn du zum Beispiel für eine Hochzeit als Fotograf gebucht wirst… Erstellst du vorher ein genaues Konzept oder entstehen die Bilder spontan?
Die Eckdaten, also der grobe Zeitplan und die Locations, werden natürlich vorher besprochen. Bei allem Weiteren steht hier der Reportagen-Stil aber im Fokus. 

Afrika, Kanada, Australien und Grönland – Regelmäßig verbindest du Roadtrips in ferne Länder mit der Fotografie. Was war für dich die eindrucksvollste Reise und warum?
Die letzte Reise ist natürlich immer die schönste. Die Australienreise vor ein paar Monaten war natürlich schon ganz besonders. Vor allem weil ich zum Beispiel den Farmer und seine Familie besuchen durfte, bei denen ich vor mittlerweile 15 Jahren gearbeitet habe. Das war sehr emotional. Ansonsten: Alle. Jede Reise ist und war anders, als ich sie erwartet habe. Aber jede Reise ist für sich einzigartig.
Ohne das Jahr von 2003 bis 2004 in Australien, wäre ich heute nicht der, der ich bin. Hier habe ich viel fürs Leben gelernt. Ich war nun insgesamt schon 3 Mal in Australien. Dieser Kontinent lässt mich einfach nicht los.
Indien und Nepal. Das war (abgesehen von dem Jahr in Australien) meine längste Fotoreise mit 2 Monaten. Zunächst in 3 Wochen 270 km rund um den 8000 m hohen Annapurna wandern. Selbst sind wir auf eine Höhe von 5400 m gestiegen. Danach fotografierte ich in Indien das Himalayan 100 Mile Stage Race. Anschließend noch eine Backpacker-Reise durch Nordindien. Das war sehr, sehr prägend für mich.
Aber diesen einen Moment gab es natürlich auch: Das war ganz klar, als ich im Februar 2015 Berggorillas in freier Natur gesehen habe. Dieser Moment war unbeschreiblich. Vor allem, als ein über 150kg schwerer Silberrücken im Abstand von ca. 1 m an mir vorbeilief!

Jede Reise ist und war anders, als ich sie erwartet habe. Aber jede Reise ist für sich einzigartig. 

Wie sieht dein Equipment bei so einer Reise aus? Deine wichtigsten Utensilien und was ist besonders zu beachten?
Ich bin der volle Chaot auf Reisen. Ich nehme viel zu viel mit. Mir ist in Nepal damals ein Ladegerät kaputt gegangen. Ich war dann 5 Tage nur damit beschäftig, ein neues zu bekommen. Seitdem habe ich (völlig unnötig) für alles einen Ersatz dabei. Aber natürlich hängt das Equipment von der Reise ab. In Grönland zum Beispiel, wo man alles bei der Wanderung mitnehmen muss, kann man natürlich nicht alle Objektive im Gepäck haben. Hier musste ich sehr viele Akkus mitnehmen, da es dort sehr kalt war und es für die 170 km keinen Strom oder Zivilisation gab. Ich hatte somit insgesamt 15 Akkus bei dieser Wanderung dabei.

Dein absoluter Lieblingsort zum Fotografieren?
Alles was draußen ist. Aber auf der Ostalb, in den Alpen und in Australien gefällt es mir dann schon am Besten! 😉

Welche Reise ist als nächstes geplant?
Die Alpen und im Sommer die Mosel.

Regelmäßig entstehen, begleitend zu den Bildern, Kurzfilme. Wie kam’s dazu?
Bilder zeigen ja immer nur diesen einen Moment, diese eine Perspektive. Mit Videos kann man dieses Blickfeld erweitern. Die Musik unterstreicht zudem das Feeling und die Emotionen. Seit ich eine Drohne habe, filme ich noch wesentlich mehr, als zuvor.

Welche weitere Verwendung finden deine Bilder und Kurzfilme?
Ich vermarkte meine Reisebilder noch über eine Bildagentur in München.

Dein liebstes Fotografie-Projekt, das über die Jahre entstanden ist?
„Aus dr Nochbrschaft“. Das ist ein Langzeitprojekt, das Menschen aus meiner Umgebung portraitiert. Und natürlich das Fotografieren bei Nacht Zum Schluss: 

3 Tipps, die du Hobby-Fotografen mit auf den Weg geben kannst?
1. Mach das, was dir gefällt, und nicht das, was anderen gefallen soll.
2. Nimm dir Zeit, achte auf das Licht und stehe sehr früh auf (weit vor
Sonnenaufgang). Das Licht ist alles bei der Fotografie!
3. Schaue immer vor dem Fotografieren, ob die Akkus voll und die Speicherkarten leer sind.