URBAN HERO: Philip Frenzel

Alter: 26 / Wohnort: Aalen / Student der HS Aalen 

Das AD-Case („Active Damping-Case“) – eine Transformer-Smartphone-Hülle, der im freien Fall schützende Käferbeinchen wachsen. Philip Frenzel, Student der HS Aalen, hat innerhalb seiner Bachelorarbeit eine Schutzhülle entwickelt, die als „Handy-Airbag“ fungiert – eine Erfindung, die tatsächlich tausende Smartphones vor dem frühen Tod durch Displaybruch retten könnte. 

Die Geschichte begann mit einem Sturz von Philips nagelneuem iPhone. Nachdem es ein Stockwerk tief gefallen war, half die Reparatur des Displays nur für eine kurze Zeit – zwei Wochen später entpuppte es sich aufgrund eines zusätzlichen Elektronikschadens als schrottreif. Anreiz dazu, innerhalb seiner Bachelorarbeit das AD-Case zu entwickeln. Zusammen mit Peter Mayer hat Philip das Startup „Frenzel + Mayer Solutions“ gegründet, um seine Erfindung als Produkt auf den Markt zu bringen. Ende März 2019 waren die zwei zu Gast bei der ProSieben-Show „Das Ding des Jahres“, um ihr Produkt vorzustellen. Erfahrt im Interview mehr über Philips Erfindung… 

 www.ad-case.de 

Foto links: Peter Mayer, rechts: Philip Frenzel

 

Hallo Philip – super, das es mit dem Interview geklappt hat! Was machst du gerade?
Ich mach gerade an der Hochschule in Aalen meinen Master in Advanced Systems Design und bin viel im Labor und forsche. Nebenher läuft das Startup und wir sind gerade auf der Suche nach Investoren, damit wir unser Produkt auch finanziell gestemmt bekommen – das ist gerade so mein Alltagsgeschäft. 

Welches Team steckt genau hinter dem AD Case und wie sind die Rollen verteilt?
Hauptsächlich sind wir zu zweit – ich übernehme den Entwicklungspart, Peter ist eher für die Business-Angelegenheiten zuständig, bezogen auf die Finanzen, Projektmanagement und was so generell ansteht zum Beispiel. Dann gibt’s noch einen dritten im Bunde, ein guter Kumpel von mir, der uns mit seiner eigenen Firma beim Prototypenbau sehr unterstützt.

Und gibt’s da auch mal Stress, wenn man so eng miteinander Arbeitet? Wie regelt ihr das?
Ja, klar! Es gibt schon mal Meinungsverschiedenheiten – das bezieht sich aber meist auf das Fachliche. Das wird dann ausdiskutiert und innerhalb einer viertel Stunde ist das Thema auch wieder gegessen. Aber so soll’s ja auch sein, nur so kommen die besten Ergebnisse am Ende raus! 

Damit war die Grund-Idee geboren: Eine elektronische Hülle, die sich während des freien Falls verändert. 

 

 

Fangen wir mal ganz von vorne an… Wie entstand die Idee, einen Smartphone-Airbag zu entwickeln?
Das ist ganz einfach… Mir ist selbst das Smartphone runter gefallen, das war vor etwa fünf Jahren – danach war das Display gesprungen. Ich war ganz frisch Student an der Hochschule Aalen und habe es aus Geldgründen selbst repariert. Das hat dann auch für zwei Wochen funktioniert, dann bin ich mit dem Smartphone leicht irgendwo dagegen gestoßen und es war für immer schwarz. Danach konnte ich es auch nicht mehr reparieren, da das Innere durch den Sturz auch beschädigt war und das hat mich natürlich sehr geärgert – neues Smartphone kaputt und die Kosten für’s neue Display umsonst. Danach habe ich mich natürlich auf die Suche nach neuen Hüllen gemacht, bin da aber nur auf eher klobige Outdoor-Hüllen gestoßen. Ich möchte gerne mein Smartphone immer mit einem Daumen bedienen können, um mit so einer klobigen Hülle drum herum war das nicht mehr möglich. Ich dachte: Das gibt’s doch nicht. Gibt es da keine gute Lösung, wo das Handy schützt und zugleich nicht so klobig ist? Nachdem ich mir selbst darüber so grob erste Gedanken gemacht habe, kam ich auf die Idee, das Problem so ähnlich wie beim Auto zu lösen. Damit war die Grund-Idee geboren: Eine elektronische Hülle, die sich während des freien Falls verändert. Die Hülle sollte dabei nicht klobig aussehen, sondern sich erst verändern, wenn sie unten ankommt – Ähnlich wie beim Auto-Airbag, der sich auch erst aufbläst, wenn man ihn benötigt. 

Schützt die Hülle eigentlich auch gegen Stöße oder nur gegen das Aufkommen nach dem freien Fall?
Aufgrund der Hülle drum herum wird das Smartphone dagegen auch gut geschützt. Der schlimmste Fall ist tatsächlich, wenn es gerade nach unten auf Asphalt fällt. Das ist auch die Situation, wo die meisten Displays kaputt gehen. Deshalb fahren sich bei uns die Dämpfer in alle Richtungen aus und wir können gewährleisten, dass das Display weit vom Boden weg ist und somit geschützt wird. 

Welchen Prozess bist du bei der Entwicklung, von der Idee bis jetzt, durchlaufen?
Es gab während der Entwicklung immer Höhen und Tiefen – die erste Idee war ja so eine Art Auto-Airbag. Dazu entstanden viele Bleistiftskizzen und Überschlagsrechnungen, daran erkennt man dann ziemlich schnell, ob das überhaupt realisiert werden kann. Man versucht in dieser Phase, verschiedene Möglichkeiten auszuloten – es stellte sich hier schnell heraus, die Hülle muss wiederverwendbar sein. Es bringt ja nichts, wenn das Smartphone ein Mal runter fällt und man dann direkt eine neue Hülle braucht. Wenn ich von mir selbst ausgehe, kann es schon mal sein, dass ich mein Handy kurz aufs Bett werfe. Dabei würde ja schon der Airbag aufgehen und die Hülle wäre nicht mehr wiederverwendbar – das Auslösen ohne Nutzen wollten wir vermeiden. Deshalb haben wir lang daran getüftelt, wie die Hülle wiederverwendbar realisiert werden kann – das war tatsächlich der größte Knackpunkt. Über zwei Jahre haben wir einen Prototyp entwickelt und haben festgestellt, als wir mit Lieferanten in Kontakt waren, dass es doch nicht so einfach war, wie sie uns ursprünglich versprochen hatten. Das war ein großer Rückschlag. Danach haben wir uns tatsächlich nochmal zurück an die Skizzen gesetzt und mit der Bleistiftzeichnung nochmal komplett neu angefangen. Dabei kam dann auch der heutige Prototyp raus.  

Der Sensor kann auswerten: „Jetzt falle ich“ und „Jetzt falle ich nicht“. Beim Fall werden die Füße dann automatisch ausgeklappt. Das ist das Grundprinzip dahinter.

 

Wie viele Handys gingen während der Test-Phase zu Bruch?
Wir haben den Prototyp ja nicht zusammen gebaut und direkt mit einem echten Handy probiert. Die Entwicklung läuft in ganz kleinen Schritten ab – zuerst ein, dann zwei, dann alle Dämpfer – das wird dann mit Dummy-Smartphones getestet, also einfach ein Plastikklotz in Form eines iPhones. Wenn wir uns dann sicher sind, testen wir es natürlich auch mit unseren eigenen Smartphones. Dabei ist erstaunlicherweise aber auch bisher noch nichts kaputt gegangen. Wir können es uns als Startup natürlich nicht leisten, pro Woche zehn Smartphones zu zerstören. 🙂 

Welche Technologie steckt, kurz erklärt, hinter der Handy-Hülle?
In der Hülle selber ist eine Elektronik integriert, die ständig die Erdbeschleunigung misst. Der Sensor kann auswerten: „Jetzt falle ich“ und „Jetzt falle ich nicht“. Beim Fall werden die Füße dann automatisch ausgeklappt. Das ist das Grundprinzip dahinter. In die Hülle ist auch ein Akku integriert, damit es autark funktioniert. Also zum Beispiel, wenn beim Smartphone der Akku leer ist, schützt die Hülle weiterhin. 

Ihr wart mit eurer Erfindung auch in der ProSieben-Show „Das Ding des Jahres 2019“ vertreten, das ist ja schon eine ziemlich große Angelegenheit! Wie kam’s dazu und wie sahen die Vorbereitungen dafür aus?
ProSieben hat bei uns angerufen, ob wir Lust haben, dabei zu sein. Wir haben zugesagt und sind zum Casting nach Stuttgart gefahren, um uns vorzustellen. Da ist es so gut gelaufen, dass wir in die Shows gekommen sind. Ende letzten Jahres wurde alles gedreht. Echt Wahnsinn, was so eine Show für einen Vorlauf hat! War natürlich mega interessant, mal bei so einer großen TV-Show hinter die Kulissen zu schauen – auf jeden Fall eine coole Erfahrung! 

Hast du damit gerechnet, dass deine Erfindung so große Wellen schlägt?
Das hat uns selbst total überrascht, weil die Hülle zu diesem Zeitpunkt echt nur prototypisch als Studentenprojekt umgesetzt war. Da das Projekt ja auch gleichzeitig meine Bachelorarbeit war, habe ich auf ganz andere Dinge den Fokus gelegt. Dabei Entstand ein Prototyp, den man schlecht jemand Fremdes in die Hand drücken konnte. Mittlerweile ist das natürlich alles optimiert – aber zu diesem Zeitpunkt sind wir dann schon kurz ins Schwitzen gekommen. Wir mussten zu dieser Zeit von Pressetermin zu Pressetermin stürmen, und nebenher noch die Hülle weiter entwickeln. War auf jeden Fall eine intensive Zeit, die ich aber auf keinen Fall mehr missen möchte! 

In der Show war zunächst einmal nur von Prototypen die Rede. Ab wann können wir uns darauf freuen, die Hülle zu kaufen?
Das ist wirklich eine unverbindliche Antwort jetzt, da es davon abhängig ist, wie schnell wir einen Inverstor finden. Das geht leider auch nicht von heute auf morgen.  Auch wenn man dann ein paar Kandidaten hat, die viel versprechend sind, dauert es auch nochmal viele Wochen, bis die Verhandlungen final abgeschlossen sind. Deswegen kann man da ganz schlecht ein Datum nennen, aber es dauert auf jeden Fall noch über ein halbes Jahr. 

 

…bis zu Weihnachten könnte es dann also noch was werden?
Genau, das ist das große Ziel! Letztes Jahr wollten wir das alles ja schon über Kickstarter finanziert haben, um schneller an den Markt zu kommen. Das hat aber leider nicht so ganz funktioniert. 

Mal abgesehen von deinem Studium und Startup: Was machst du so in deiner Freizeit?
Freizeit ist gerade Mangelware – aber ich habe es mir ja so rausgesucht, das ist grad echt eine turbulente Zeit, wo viel neues passiert! 🙂 Wenn ich doch mal Freizeit habe, spiele ich gerne Schlagzeug und das ist dann immer eine ganz gute Abwechslung zum Arbeitsalltag, auch um einfach mal den Kopf durchzulüften und um auf andere Gedanken zu kommen! 

Was ist als nächstes geplant? Zukünftigen Produkte, Visionen und Wünsche?
Das nächste Ziel ist, einen Investor zu finden, um die Hülle an den Markt zu bringen, und das in einer breiteren Produktpalette, da wir momentan ja nur auf iPhones spezialisiert sind. Was weitere Produkte angeht, sind schon viele Ideen im Raum – da halten wir uns aber bisher noch bedeckt… 🙂