Insta-Profil des Monats: @kissenundkarma

a more sustainable lifestyle 

Alter: 31 / Wohnort: Stuttgart
Gründerin von Coco Malou  

 

Kissen & Karma – hinter dem Namen steckt die 31 Jährige Bloggerin Corinna. Seit 2015 setzt sich die Stuttgarterin auf ihrem Blog mit nachhaltiger Mode und Inspirationen für ein schöneres Zuhause sowie allem, was die Welt ein bisschen besser und grüner macht, auseinander.

Eine lange Zeit gehörte Shoppen zu Corinnas Lieblingsbeschäftigungen, bis sie irgendwann merkte, dass sie durch ihren Modekonsum die schlechten Bedingungen der Fast Fashion Industrie unterstützte – und das wollte sie auf keinen Fall! Sie fing an, weniger, aber dafür sinnvoller zu konsumieren. Zusätzlich zu ihrem Blog startet Corinna jetzt auch mit ihrem frisch gegründeten Modelabel „Coco Malou“ durch – fair produzierte Dessous aus umweltfreundlichen und veganen Materialien. 

 www.kissenundkarma.de 

 

Hi Corinna – Danke für deine Zeit. Was steckt genau hinter dem Namen „Kissen & Karma“?
Dahinter steckt mein Blog bzw. Instagram Account, auf dem es um einen nachhaltigeren Lifestyle geht. Ich schreibe über bewussten Konsum, faire oder secondhand Mode, Eco-Travel, Veganismus und Inneneinrichtung (wofür symbolisch das Kissen in meinem Namen steht). Ich glaube an das Gesetz der Anziehung und daran, dass alles im Leben auch eine Wirkung hat – also Karma.

Vielleicht noch mal kurz zu Beginn: Wie entstand die Idee, deine Leidenschaft für die Nachhaltigkeit auf einem Blog zu teilen?
Ich bin 2015 aufgewacht aus meinem ziemlich wahllosen Shopping-Alltag, als ich eine sehr emotionale Rede zum Thema Modekonsum und die Auswirkungen der Textilindustrie gehört habe. Drei Monate lang habe ich gar nichts mehr eingekauft – um mich dann mit den Alternativen auseinander zu setzen und anderen zu zeigen, dass es sie gibt! Und dass man auch mit Slow Fashion nicht nach Öko aussehen muss.

Jetzt beschäftigst du dich schon seit relativ langer Zeit mit dem Thema. Kommst du da nicht auch ab und zu mal schnell in eine Situation, in der du andere hart für ihren unökologischen Lebensstil verurteilst oder darüber wütend wirst? Wie gehst du damit um?
Klar stört mich das manchmal bei anderen, wenn ich mitbekomme, wie achtlos manches konsumiert wird. Aber ich versuche mich dann daran zu erinnern, dass ich vor ein paar Jahren nicht viel anders war und dass kaum jemand böswillig so handelt, sondern oft einfach die Informationen fehlen. Oder das Bewusstsein über die Auswirkungen von seinem eigenen Handeln, z.B. wenn man jede Woche einfach möglichst günstig shoppen geht – dass man damit die Ausbeutung von Näherinnen in Niedriglohnländern unterstützt und im schlimmsten Fall vielleicht sogar Kinderarbeit und Umweltverschmutzung, das hat man in der Regel nicht vor Augen. Ich versuche bei Interesse darüber aufzuklären. Aber mit erhobenem Zeigefinger oder verurteilend bringt das gar nichts, sondern stößt eher auf eine Abwehrhaltung. Daher probier ich es lieber ganz unaufdringlich durch positives Vorleben.

Was tust du in deinem Alltag aktiv dafür, damit er grüner wird?
Insgesamt versuche ich, weniger einzukaufen, da wir einfach schon so viel haben. Wenn ich Kleidung einkaufe, dann nur fair produziert oder secondhand. Möbel kaufe ich meist secondhand oder versuche selbst was zu bauen. Nach und nach steige ich auf Naturkosmetik um und kaufe lieber plastikfreie Lebensmittel. Außerdem ernähre ich mich hauptsächlich pflanzlich und achte auf möglichst regionale und saisonale Lebensmittel, aber ohne dogmatisch zu sein. Nobody’s perfect.

 

…ich ernähre mich hauptsächlich pflanzlich und achte auf möglichst regionale und saisonale Lebensmittel, aber ohne dogmatisch zu sein. Nobody’s perfect. 

 

Kommst du als Modeliebhaberin nicht auch manchmal in einen Konflikt, wenn du ein Kleidungsstück siehst, das dir sehr gefällt, aber nicht nachhaltig hergestellt wurde? Wie umgehst du das dann?
Ehrlich gesagt setze ich mich diesem Konflikt gar nicht erst aus, weil ich nicht mehr in Fast Fashion Läden reingehe. Dadurch entsteht ja überhaupt erst das Bedürfnis, dieses oder jene coole Teil besitzen zu wollen, was ich vorher auch gar nicht gebraucht habe. Wenn ich also nicht hingehe, hab ich auch kein Problem. Klar, wenn ich mal was an jemand sehe, was mir super gut gefällt, schaue ich ob ich es in fair oder auch secondhand finde. Wenn nicht, vergisst man es eh nach einer Weile wieder, Trends kommen und gehen so schnell. Und wenn man doch etwas Ähnliches findet, freut man sich umso mehr.

Von woher beziehst du deine Mode hauptsächlich?
Ich kaufe viel online bei Fair Fashion Läden wie avocado-store, Glore oder direkt bei den Marken ein. Ansonsten schaue ich immer wieder gern auf Flohmärkten vorbei oder im Vintage Markt in Stuttgart.

Gehst du überhaupt noch in die Stadt zum klassischen „Shopping-Day“ oder fällt das komplett aus?
Nee, eher nicht. Ab und an gehe ich mit meinem Mann durch die Fair Fashion Läden in Stuttgart bummeln, oder wenn wir in einer neuen Stadt sind, google ich auch vorher nach Vintage Shops. Aber einen ganzen Samstag in der Innenstadt oder im Einkaufszentrum verbringen? Das find ich ganz furchtbar!

Zusätzlich zu deinem Blog hast du nun sogar auch dein eigenes Modelabel gegründet – unter „Coco Malou“ verkaufst du fair produzierte Dessous! War das schon immer dein Traum oder wie kam’s dazu?
Nee, das hätte ich früher nie gedacht! Die Idee ist eher aus Eigenbedarf entstanden. Ich mag Unterwäsche einfach sehr gern, insbesondere mit Spitze und aus schönen Stoffen. Die klassischen Anbieter wollte ich aber eben nicht mehr unterstützen, da leider das Meiste in Asien unter fragwürdigen Bedingungen produziert wird und außerdem hauptsächlich aus Kunstfaser besteht – schlecht für die Umwelt und auch die Haut. Die Auswahl der fairen Anbieter war mir leider auch nicht genug – zu schlicht, zu öko, einfach Bio-Baumwolle und gut? Damit wollte ich mich nicht zufriedengeben. Und so habe ich mich selbst daran gemacht, letztes Jahr gekündigt und Coco Malou gestartet: eine feminine Marke für Dessous aus Tencel und recycelter Spitze, die fair in Portugal hergestellt werden.

Wie schätzt du die Entwicklung in der Modeszene ein? Denkst du, da tut sich innerhalb der nächsten Jahre noch viel im Bereich Nachhaltigkeit? Was würdest du dir wünschen?
Ja, es tut sich auf jeden Fall was! Auch von den großen Playern kommen immerhin kleine Initiativen, wie z.B. manche Teile aus nachhaltigen Materialien oder eine „conscious“ Kollektion. Das ist gut und wichtig, denn die Großen haben die Marktmacht. Aber leider ist es noch viel zu wenig und sehr oft auch noch Greenwashing, wenn das Kernbusiness daraus besteht, möglichst viel Kleidung möglichst billig auf den Markt zu werfen. Aber ich habe Hoffnung, dass das große Umdenken noch kommt. Es muss!

Zum Schluss: Wenn du von deinem Kleiderschrank nur drei Teile behalten könntest – welche wären das und warum?
Ein oversized T-Shirt, das kann man mit Accessoires auch zu verschiedenen Anlässen stylen, eine schlichte, aber bequeme Mom-Jeans und meine weißen Sneakers, die quasi zu jedem Outfit passen. Ich mag Mode sehr, aber insgesamt liebe ich schlichte Styles, solange der Schnitt besonders ist. 

 

 

Fotos © Julia Pommerenke