Wanda

Nach Amore, Bussi und Niente jetzt also Ciao!. Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Ciao! ist für Wanda natürlich kein Abschied. Sondern die Einladung an euch alle, auch bei diesem nächsten Kapitel der Band dabei zu sein. 

Die neue Platte ist die Revolver von Wanda, bestehend aus Marco Michael Wanda (Gesang, Gitarre), Christian Immanuel Hummer (Keyboard), Manuel Christoph Poppe (Gitarre), Reinhold Weber (Bass) und Lukas Hasitschka (Schlagzeug), produziert von Paul Gallister. Wanda feuert aus allen Zylindern. Wie ein Boxer, der sich erholt und Kraft getankt hat und jetzt gierig die Schlagzahl erhöht.

Im Interview mit Sänger Marco Michael Wanda konnten wir mehr über die Band und das neue Album erfahren…

Interview: Laura Kiwitt
www.ciao.wandamusik.com

 

 

Nach „Amore“, „Bussi“ und „Niente“ jetzt „Ciao!“: Der Albumtitel und das Cover erinnern eher an Abschied – was habt ihr euch dabei gedacht? Wie entstand der Marine-Look?
Eigentlich denkt man sich bei so was sehr wenig. Man macht halt, was sich gut anbietet. Wir waren in dieser Zeit in Murano ein Musikvideo drehen – das ist ein Fischerdorf in der Venezianischen Lagune. Da gab’s dieses Vaporetto, das sind die „Busse“ in der Lagune. Wir waren alle auf diesem Schiff und haben ein Foto gemacht – und haben gemerkt, das ist es!

Das hat sich also eher so ergeben?
Es ist nicht wirklich meine Leidenschaft, das zu interpretieren, was wir machen. Ich hab’ jetzt schon viel gehört… Man kann natürlich sagen, sie verabschieden sich von einer Lebensweise, aber ich finde, das ist immer so langweilig, wenn das vom Künstler selbst kommt. Das muss jeder für sich selbst sehen. Außerdem kauft ja eh keiner mehr CDs, also wer sieht das Foto… niemand! (lacht)
Die sitzen alle einsam vor ihren Scheiß-Computern und hauen sich das Spotify-Album ins Hirn. Voll langweilig!

In einem anderen Interview mit dir habe ich gelesen, dass du kein Internet nutzt. Ist das immer noch so? Wie lässt sich das mit eurer Social-Media-Präsenz vereinbaren? Oder schaust du dir das gar nicht an?
Naja – es umgibt mich irgendwie, es ist wie Materie überall und das reicht mir auch schon. Das hat ja mittlerweile sowieso jeder auf seinem Handy und wenn ich mal irgendwas brauch’, kann ich von irgendjemand mal kurz das Handy haben. Aber ich langweile mich einfach im Internet.
Ich bin jetzt 32, ich bin ja aufgewachsen mit dem Zeug. Wir waren die erste Generation, die das hatte und es hat mich nie fasziniert – von Anfang an nicht. Es ist für mich irgendwie eine kalte, ferne Welt, mittlerweile vor allem eine Welt der Falschinformation. Ich beziehe meine Informationen auch gar nicht aus dem Internet, es bringt einfach nichts. Bis vor ein paar Jahren war Mozarts Todesjahr auf Wikipedia falsch angegeben. Das sind alles so Sachen… Da frag ich mich, was bedeutet das alles noch?

Welches ist dann dein favorisiertes Medium?
Zeitungen, Bücher und Gespräche! Mir kommt es auch oft so vor, dass Menschen nur noch Haltungen reproduzieren, die sie im Internet lesen. Man ist nur noch passiv die ganze Zeit diesem Scheiß ausgesetzt. Für mich ist das das Gegenteil von freiem Denken – das hat so was Kommunistisches. Am Ende denken wir alle dasselbe und ich finde das entsetzlich!

Leben, Liebe, Leidenschaft, Schmerz,
Tod, Vergänglichkeit – das bleibt immer dasselbe und ist das, was uns interessiert. 

 

Jetzt ist das Album seit fast genau einer Woche draußen und auf den Festivals diesen Sommer haben eure Fans schon eine Kostprobe der neuen Songs zu hören bekommen. Wie waren die ersten Reaktionen?
Es war auf Anhieb einfach unglaublich! Da kam so viel Energie zurück und die Leute haben sofort die Texte mitgesungen, obwohl das Album noch gar nicht draußen ist. Das hat mich irgendwie an vor fünf Jahren erinnert – wir haben da in kleinen Wiener Clubs angefangen und die Leute konnten aus irgendeinem Grund die Texte. Ich weiß gar nicht, wie so was passiert? Vielleicht einfach, weil sie uns lebensnah sind. Ich bin jedes Mal überwältigt, wenn wir was Neues spielen.

Zwei Jahre sind seit der letzten Albumveröffentlichung vergangen. Wie viel Zeit hat die Produktion von „Ciao!“ eingenommen und was stand noch so an die letzten zwei Jahre?
Wir machen Musik und das eigentlich immer. Also sind wir viel am arbeiten und wenn wir nicht gerade eine Platte draußen haben, schreibe ich Lieder so gut und konzentriert wie ich kann. Es waren sehr wilde Jahre – wir sind sehr schnell sehr groß geworden! Vielleicht schneller und größer, als es für einen 26-/27-Jährigen so möglich ist, aber mittlerweile können wir diese zwei Welten ganz gut vereinen. Ich kenn’ mich mit dem Leben auf Tour gut aus, habe aber auch wieder Anschluss an mein altes Leben in Wien gefunden. Für mich ist das momentan eine sehr positive Lebensphase.

Könntet ihr euch vorstellen mal aus Wien wegzugehen, in eine andere Stadt?
Ich mach’ mir über so was keine Gedanken, muss ich sagen. Ich beschäftige mich ausschließlich mit Liedern. Mein Leben passiert, zum Glück. Ich lebe in Demut, dass mir fremde Menschen dieses Leben ermöglichen. Das ist absolut unglaublich!

Ab Februar 2020 steht eure Tour an. Was macht ihr in der Zwischenzeit? Und worauf freut ihr euch besonders?
Es ist völlig irrelevant, wo man spielt. Mir geht’s immer um die Menschen, die kommen. Das sind ganz, ganz faszinierende, großartige Menschen. Wir haben wirklich ein tolles Publikum und bei der Wanda-Show ist alles erlaubt.
Ich freu’ mich nicht auf irgendwas Bestimmtes – ich freu’ mich einfach, den Menschen gegenüber zu treten, die uns so lange schon begleiten. Das ist schon fast ’was Sentimentales, Spirituelles.

Kleines Club-Konzert oder großes Festival – wofür würdet ihr euch entscheiden und warum?
Je kleiner die Halle, desto mehr Menschen sperrt man aus! Ich bin dafür, dass uns jeder sehen kann, der es will. Deshalb finde ich die großen Hallen am besten.

Was ist bei eurem bisher vierten Album komplett anders als bei den drei vorherigen? Was ist gleich?
Ich finde irgendwie, dass sich alles auf der Welt viel zu schnell entwickelt und es ist nicht der Anspruch des Rock’n’Roll, das Rad neu zu erfinden. Wir schreiben und singen über das Leben, wie wir es kennen. Insofern ist nichts anders – wir beschäftigen uns immer mit denselben Themen. Leben, Liebe, Leidenschaft, Schmerz, Tod, Vergänglichkeit – das bleibt immer dasselbe und ist das, was uns interessiert.

Die „vielleicht letzte wichtige Rock’n’Roll-Band unserer Generation“ nannte die Zeitschrift Musikexpress euch! Das ist ja schon eine Riesen-Ehre. Wie viel Rock’n’Roll steckt in dem neuen Album? Und was bedeutet Rock’n’Roll für euch?
Für mich ist es in erster Linie eine körperliche, und irgendwann später eine geistige Befreiung. Beides dient aber in Wahrheit dazu, Menschen zusammenzubringen, die sich vielleicht sonst nicht kennenlernen würden.
Ich glaube, Rock’n’Roll ist etwas für mich, das soziale Grenzen überwindet und etwas, das Menschen unterschiedlichster Denkweisen zusammenführt und in einen körperlichen und geistigen Dialog zwingt – das ist für mich Rock’n’Roll. Rock’n’Roll ist kein Selbstvernichtungszirkus!

Was macht aus eurer Sicht Wanda aus und hebt euch von den anderen, gerade angesagten Bands in diesem Genre ab?
Wenn wir lange tot sind, werden ganz, ganz viele Menschen diese Lieder singen, und das wird ihnen immer noch etwas bedeuten. Das ist der Unterschied. Alles andere wird verschwinden.

Man kennt euch nur als Fünferpack. Seid ihr auch privat unzertrennlich?
Wir sind eine Band, wir sind Freunde und Kollegen, wir teilen einen großen Teil unseres Lebens und das abseits der Bühne wie auf der Bühne. Im Prinzip kannst du sagen, wir leben gemeinsam.

In Österreich werdet ihr sogar als größter Pop-Erfolg seit Falco gehandelt. Gibt es andere österreichische Bands, die ihr gerade selbst feiert?
Ich finde, man muss vor allem mal die Pauls Jets aus Wien live gesehen haben! Das ist eine ganz junge Band, die machen aber hochspannende Musik und sind live eine Gewalt, es ist großartig!

Du hast mal gesagt, du hattest nie das Talent für einen anderen Job. Der verrückteste Job, den du vor der Wanda-Zeit je gemacht hast?
Die bizarrste Lebenserfahrung für mich war die Arbeit bei McDonalds und das auch noch während der EM 2008 in Wien am Wiener Praterstern – das ist ein Bahnhof. Ich hab’ so viel Blut aufgewischt von den ganzen Schlägereien. Da haben sich halt die Fans immer die Köpfe eingeschlagen und dann auch noch dieses Fett in der Luft…
Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die sich so eine Arbeit antun müssen. Das ist nicht leicht.

Was würdest du machen, wenn es Wanda von heute auf morgen nicht mehr geben würde?
Das möchte ich mir nicht vorstellen. Wenn ich mir das vorstelle, gehen alle Lichter aus. Das ist wie ein leeres Fußballstadion und alle Lichter fallen aus und alles, was bleibt, sind Fledermäuse.

Wanda in zehn Jahren – wie sieht eure Zukunftsvision aus?
Ich schau’ nicht in die Zukunft. Das ist so ein geiles Leben gerade, ich koste jeden Moment aus. Das kann alles von heute auf morgen vorbei sein und ich möchte mit ganz vielen Erinnerungen daran im Herzen ins Grab gehen.

 

Wanda: Ciao!
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Wanda © Wolfgang Seehofer