Fritz Kalkbrenner: Im Interview

Fritz Kalkbrenner veröffentlicht im März 2020 sein sechstes Studioalbum „True Colours“ auf seinem neu gegründeten Label Nasua Music. Ab Ende Februar 2020 ist er mit seiner neuen beeindruckenden Live Show in ganz Europa unterwegs. Als erster Vorbote für das neue Album erschien im Oktober die Single „Kings & Queens”.

 

▶ IG: @fritzkalkbrenner
▶ www.fritzkalkbrenner.com

 

Hallo Fritz, schön dass du Zeit hast mit uns zu sprechen.
Was viele nicht wissen: Du bist ja früher auch als Journalist tätig gewesen und hast dich besonders viel mit Musik beschäftigt. Hat das dich und deine Musik später irgendwie beeinflusst?

Wenn dann eher unterbewusst. Die schiere Menge an Alben, Singles etc. mit der man sich da von Berufs wegen her beschäftigt, lässt einen bisweilen analytisch der Kunst gegenüberstehen.
Gesamteindruck, Spannungsbogen, kleine Gimmicks: wenig bleibt da verborgen und vielleicht versuche Ich dem dann wie gesagt unbewusst gerecht zu werden.

 

Deine Songs sind sehr abwechslungsreich. Hämmernde, pushende Beats wechseln sich mit leichten Klängen ab. Woher holst du dir deine Ideen; sowohl für die Produktion als auch die Texte?

Das entspringt eher aus einer Summe von Erfahrungen – gut wie schlecht, als einem bestimmten Gefühl oder Gedanken. Ob dieses erdschwere Paket in der Magengrube dann Lebenserfahrung genannt wird ist zweitrangig. Haben tut das ja jeder.

 

Deine vorherigen Alben-Titel hatten immer was mit Bewegung und Reisen im weitesten Sinne zu tun: „Here Today Gone Tomorrow“, „Sick Travelling“, „Ways Over Water“ und „Grand Départ“ – bist du ein unruhiger, getriebener Typ? Jemand, der nicht gern lange an einem Ort ist?

Eigentlich nicht. Aber die Arbeit als Musiker hat unbestreitbar etwas Unstetes. Und so hat sich das dann doch in fast allen Alben Titeln wiedergefunden.

 

Auch dieses Jahr bist du mit deinem Album „True Colours“ in mehreren Ländern auf Tour. Wie gehst du mit dem Reise-Stress und diesem Lifestyle um?

Am besten mit seinen Kräften Haus halten und sich aufs wesentliche konzentrieren. Dann klappt das.

 

 

Nach deinem letzten, rein instrumentalen Album „Drown“ im Jahr 2018, kehrst du nun wieder mit deinem Gesang zurück. Hat dir das Singen gefehlt?

Wenn ich mir meine Diskographie ansehe, war „Drown“ ja eher die Ausnahme als die Regel. Und nach diesem Ausflug war klar, dass ich nicht dauerhaft mit diesem Teil meiner Arbeit hinter dem Berg halten würde.
Wie heißt es so schön: Man tut was man kann.

 

Du hast mit „King & Queens“ einen Vorgeschmack zu deinem neuen Album „True Colours“ gegeben. Es erinnert musikalisch aber auch gesanglich sehr stark an deine vorherigen Songs. Knüpfst du wieder an deine Wurzeln an oder hast du bei deinem neuen Album etwas komplett Neues ausprobiert?

Schon zu einem frühen Zeitpunkt in der Album Produktion war mir klar, dass ich etwas neuen und frischen Wind gut gebrauchen könnte. Daher habe ich die Zusammenarbeit mit frischen, jungen Produzenten gesucht und gefunden.
Genannt seien da: Ben Böhmer, Felix Lehmann, Henrik Müller und Conrad Hensel. Und ich bin der Meinung das das Update meines Sounds gut geklappt hat.

 

Es unterscheidet dich sehr von anderen DJs, dass du bei deinen Liedern auch als Sänger zu hören bist. Bei deinen Liveshows singst du deine Songs selbst. Hast du bei solchen Auftritten immer noch Lampenfieber?

Offen gesagt, nicht wirklich. Nach all den Shows und Tourneen ist das anfängliche Lampenfieber eher einer freudigen Zuversicht gewichen. Ohne Frage macht das Ganze natürlich immer noch sauviel Spaß.

 

Ob großes Festival oder kleinere Clubauftritte. Du bist da ja recht vielseitig und abwechslungsreich. Wo genau spielst du denn am Liebsten und warum?

Kommt immer darauf an, was gerade am meisten gespielt wird. Nach der Festivalsaison wünscht man sich nichts sehnlicher als in einem Club zu spielen. Und andersherum, wenn dann langsam der Mai gekommen ist, kann man es gar nicht erwarten wieder auf großen Bühnen zu spielen. Ist wie eine Sinuskurve.

 

Der Erfolg deines Hits mit deinem Bruder Paul – „Sky and Sand“ – ist vielen noch immer ein Begriff. Plant ihr mal wieder was zusammen? Oder ist das mehr Fluch als Segen, einen so großen Mega-Hit gehabt zu haben? Wird man vielleicht auch darauf reduziert?

Wir haben da nicht weiteres geplant. Nachteile in einem Hit zu suchen kann gerechtfertigt sein. Ich für meinen Fall kann da aber nichts finden. Nach sechs Alben ist das mit dem Reduzieren ja nicht mein Verschulden.

 

Eins deiner Lieblingszitate ist ja u.a.: „Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen“. Wie hat sich deiner Meinung nach die Techno-Szene in den letzten Jahren verändert? Vermisst du die damalige Szene im Vergleich zu heute?

Schwer zu sagen. Veränderung sind ja oft schleichend statt erdrutschartig. Darüber hinaus bin ich mit Studiozeit & Shows so ausgelastet, dass ich mein Ohr gar nicht mehr so oft auf den Puls der Zeit legen kann.