LOTTE: Im Interview

Lotte meldet sich zurück und ist auf der Überholspur! Mit gerade einmal 24 Jahren bringt die Singer-Songwriterin im Oktober ihr zweites Album „Glück“ heraus. 
Das Duett „Auf das was da noch kommt“ mit Max Giesinger läuft seit August im Radio rauf und runter und zeigt uns wieder einmal, dass sie gebürtige Ravensburgerin mit ihrem musikalischem Talent begeistert. Tiefgründige Songs mit ehrlichen und emotionalen Texten zeichnen die Sängerin aus. Ihr neues Album klingt frischer, moderner und auch irgendwie lebendig. Im Februar war Lotte auf großer Deutschland Tour und berichtet uns von ihren Erfahrungen und was eigentlich „Glück“ für sie bedeutet…

 

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Obwohl Charlotte dein richtiger Name ist, wirst du von allen nur Lotte genannt, welcher auch dein Künstlername ist. Versuchst du damit ein Stück weit auch eine vertraute Beziehung, mit den Leuten die deine Musik hören, aufzubauen?

Ich wurde als Kind halt immer Lotte genannt und Lotte ist für mich ein vertrauter und naher Name. Ich habe ganz lange Musik auf Englisch geschrieben und habe dann irgendwann angefangen zu checken, dass ich halt mit deutschen Texten viel näher an das rankomme was ich euch erzählen will. Deutsch ist meine Muttersprache und darin kann ich mich einfach viel besser und anders ausdrücken. Als ich dann angefangen habe auf Deutsch zu schreiben, wollte ich mir damals halt auch einen neuen Künstlernamen zulegen. Ich wurde damals immer Charlie genannt und dachte dann so: Ey, eigentlich wäre es doch cool zu dem Namen zurück zu gehen, mit dem ich als Kind immer gerufen wurde. Der genauso ehrlich und direkt und so intim wie meine Musik sein soll. Dementsprechend ist es dann Lotte geworden und inzwischen nennen mich auch meine Eltern einfach nur Lotte obwohl sie mich nur als Kind so genannt haben.

 

Du hast ja auch recht früh angefangen Musik zu machen und spielst ziemlich viele Instrumente. Gitarre, Keyboard… du hattest sogar Geigenunterricht. Womit hat das alles denn angefangen?

Wir sind eine relativ große Familie und meine ältere Schwester hat Geige gespielt und meistens ist es ja so, dass man als Kind eigentlich das machen will was die ältere Schwester auch macht. Egal was sie macht. Deshalb wollte ich halt unbedingt Geige lernen und habe das auch angefangen…war aber dann ein bisschen faul… so bin ich immer noch. Wenn ich irgendetwas lerne – Spanisch zum Beispiel – dann bin ich immer drei Tage davon begeistert und dann lass ich es so ein bisschen hängen. Und bei Geige ist es halt echt wichtig, dass man jeden Tag übt wegen dem Klang und allem möglichem. Deshalb klang es bei mir nie so richtig gut und ich fand es dann auch nie so richtig cool… Ich habe dann durch Zufall bei meinem Onkel eine Gitarre in die Hände bekommen und hab mich dann krass in dieses Instrument verliebt. Mit dem ganzen Charme der da so mitkommt. Zusammen am Lagerfeuer sitzen und einfach Musik machen. Man kann auch damit richtig gut Lieder schreiben. Ich war neun Jahre alt als ich dann unbedingt Gitarre lernen wollte und hab dann relativ bald wieder mit Geige aufgehört.

 

Wie viel davon kannst du heute noch? Oder konzentrierst du dich nur noch auf Gesang?

Live auf der Bühne spiele ich auch Instrumente aber ich singe auch einfach mal nur gerne. Ich kann mich dadurch viel besser auf das Publikum einlassen und bin nicht im Kopf damit beschäftigt, meine Technik richtig zu machen sondern ich kann mich viel mehr fallen lassen. Ich spiel schon gern auch live, aber manchmal mag ich es einfach nur zu singen.

 

LOTTE auf der Glück Tour

 

Bei dir ging das mit der Musikkarriere recht schnell. Von Null auf 100.
Wie bist Du denn genau in die Musikbranche geraten?

Es hat alles durch Zufall begonnen. Ich hab in Innsbruck Philosophie studiert. Das war aber nicht das einzige was ich mal machen wollte. Ich dachte, dass ich vielleicht Arzt werde, dass ich Medizin studiere und gleichzeitig habe ich seit dem ich ungefähr 13 bin immer nebenher Musik gemacht. Ich habe nebenher Songs geschrieben und fand das total bewegend. Dachte aber, dass es nicht klappt. Jeder hat mir gesagt: Du kannst nicht einfach berühmt werden. Du kannst Musiklehrer werden aber du kannst nicht einfach auf eine Bühne gehen. Dann war ich in Mannheim bei der Pop-Akademie. Da gibt es einen Bandpool, das ist so ein Wochenendcoaching Programm. Da werden quasi verschiedene Bands über 1 ½ Jahre hinweg gecoached. Denen wird gesagt, wie es in der Musikbranche abläuft, wie man sich noch besser auf der Bühne geben kann und all so was. Und wenn man sich dort bewirbt, gibt es ein Vorspiel. Da sitzen auch viele Talentscouts von verschiedenen Labels und Verlägen. Die Leute schauen sich das an. Als ich dort vorgespielt habe, hatte ich tatsächlich riesen Glück an dem Abend. Ich wurde von vielen angesprochen, ob ich nicht bei Ihnen einen Plattenvertrag haben möchte… Ich habe ganz viele Angebote an diesem Wochenende bekommen obwohl ich eigentlich nur drei oder vier Songs von mir vorgespielt habe. Und damit ging es dann halt echt von null auf 100 los…Am nächsten Tag wusste ich, dass ich mein Studium erst mal kicken kann und einfach nur Musik machen darf.

 

Deine Lieder handeln vom Leben, der Liebe und dem damit zusammen hängendem Gefühlschaos. Verarbeitest du in deinen Liedern vor allem persönliche Gedanken?

Ja total…Ich find Musik ist ein bisschen wie eine beste Freundin. Alles worüber es mir schwer fällt zu sprechen oder was ich mir selbst manchmal gar nicht eingestehe. Irgendwie hat Musik da einen Zugang für mich, wo ich echt wirklich mal loslassen kann. Wo ich über meine Ängste schreiben kann, meine Sehnsüchte, meinen Liebeskummer oder auch meine Hoffnungen. Alles was mich bewegt ist in der Musik irgendwie erlaubt. Es ist auf jeden fall sehr cool, dass wir so viel unterwegs sind und jeden Tag in einer anderen Stadt sind. Aber für mich selber bleibt Musik immer noch total wertvoll und schön. Die Zeit auf der Bühne kann ich dann auch echt genießen.

 

In wie weit hat sich deine Musik auf deinem neuen Album „Glück“ im Vergleich zum vorherigen Album „Querfeldein“ aus 2017 verändert?

Mein erstes Album war mein erster Schritt überhaupt mit einer richtigen Band was zu produzieren. Ich hab das davor noch nie gemacht. Ich hatte zu Hause halt nur meine Gitarre. Ich hatte auch mal Musikschulbands oder so aber ich wusste nicht wie das alles läuft. Dann war ich das erste Mal im Studio. Mir war es ganz wichtig und ich hatte auch einen sehr coolen Produzenten da. Wir wollten quasi alles live und echt und organisch aufnehmen. Jedes Geräusch sollte im Raum entstehen und wir haben ganz viel an Sounds gearbeitet, was voll schön war. Ich hab mir dabei auch sehr viel Zeit gelassen. Ein halbes Jahr waren wir nur im Studio und haben eigentlich nur kreiiert und geschaffen. Dadurch ist das Album sehr organisch geworden also alles mit echten Elementen. Und zum zweiten Album habe ich zwischendurch auch viel mehr live gespielt. Ich wusste: Ok, du liebst es auf der Bühne zu stehen – und ich werde jetzt wahrscheinlich das ganze Jahr 2020 nur auf der Bühne stehen – deshalb will ich auch ein Album machen, was halt mega Bock macht live zu spielen. Wenn ich selber auf Festivals gehe oder auf Konzerte, dann finde ich es irgendwie geil wenn organische Musik ein bisschen mit elektronischem Sound gepimpt ist. Eine elektronische Basedrum, die so richtig reinkickt oder mal einen Synthesizer. Deshalb wollte ich eben das zweite Album ein bisschen elektronischer machen. Ich merk jetzt auf jeden Fall auf der Tour, dass es mega bockt.

 

Auf deinem letzten Album war viel Melancholie mit dabei, ich finde bei deinem neuen Album merkt man richtig die Message: Geil, das Leben ist schön! Man freut sich auch durch die Lieder „Auf das was da noch kommt“ und „Wenn Liebe kommt“ richtig auf die Zukunft…

Deshalb sollte das Album ja auch Glück heißen. Das heißt nicht, dass das Leben perfekt ist und einfach und easy. Ganz im Gegenteil. Es soll zeigen, dass man es immer schaffen kann. Auch was Glück für mich bedeutet: mit einem schönen und einem lachenden Auge auf die Dinge zu schauen und zu sagen: Hey, wird doch schon. Anstatt immer das Glas nur halb leer zu sehen…

 

Auf dem neuen Album ist auch der Song „Zu jung“. Du sprichst in diesem Song auch davon, dass du Angst hättest irgendetwas zu verpassen. Ist das immer noch der Fall?

In „Zu jung“ geht es um eine Beziehung die ich hatte, da war ich noch sehr jung. Das war ungefähr in meiner Schulzeit. Ich hatte mich innerhalb der Beziehung auch sehr fest gefahren und habe einfach gemerkt, dass ich noch ganz viel erleben wollte und dass ich noch gar nicht bereit war für so eine feste Bindung. Ich wollte noch so viel: Musik machen, viel Reisen, ganz viel Sehen und das habe ich in dieser Beziehung einfach nicht geschafft. Weil ich damals einfach mehr Freiraum gebraucht habe. Inzwischen weiß ich, dass es auch anders geht und dass man auch in einer Beziehung trotzdem wachsen kann. Was erleben und sich auch die Freiheit nehmen darf. Dass eine Beziehung auch halten kann, wenn man sagt: Ich geh zwei Monate auf Reisen und wir sind trotzdem in einer Beziehung. Das habe ich damals nicht ganz so verstanden. Vielleicht war ich damals einfach zu jung und zu unerfahren. Ich würde sagen: Ich habe keine Angst jetzt was zu verpassen. Eher habe ich gemerkt, dass es mir schwer fällt Nähe zu zulassen. Also ich habe jetzt im Moment keine Beziehung. Ich merke, dass es für mich gerade nicht leicht ist, weil ich so viel auf Reisen bin.

 

Wer aktuell so viel arbeitet und unterwegs ist wie du, bei dem bleibt das Privatleben nicht selten komplett auf der Strecke. Ist das okay für dich oder zweifelst du manchmal an allem, was du so tust?

Nein gar nicht mehr… Am Anfang war es schon sehr viel für mich als ich in die ganze Musik-/Bühnenwelt reingefallen bin. Ich dachte damals so: Wow, krass. Das ist alles so überfordernd, einnehmend und eben sehr anstrengend. Plötzlich dann auf Instagram irgendwelche Fotos zu posten, Kommentare von anderen Leuten zu bekommen, die man selber eigentlich gar nicht hören will. Immer irgendwie gefeedbacked zu werden… Immer haben Leute das Gefühl dir sagen zu müssen, was Ihnen gefällt. Ich finde es auch total übergriffig, wenn Leute mir schreiben, dass sie meine Haarfarbe nicht mögen. Da denk ich mir nur: What the fuck? Oder wenn sie irgendwie auf meine Klamotten kommentieren. Allgemein über mein Aussehen. Es ist einfach ungewohnt am Anfang. Da denkt man halt: Hä, das ist doch mein Leben! Das soll doch denen egal sein. Man merkt dann mit der Zeit schon, dass man eine Person des öffentlichen Lebens ist. Das ist einfach komplett anders und neu. Daran musste ich mich einfach gewöhnen. Jetzt mit der Zeit, nach vier Jahren inzwischen, weiß ich wie ich damit umgehen kann. Ich merke, dass ich mich immer mehr entspannen kann und das auch jede neue Stadt auch ein bisschen wie Zuhause sein kann.

 

Man sagt ja immer: „Für das erste Album hat man immer das ganze Leben Zeit.“ Beim zweiten Album hat man eventuell das Gefühl noch eine Schippe drauf legen zu müssen. Und das auch noch in kurzer Zeit. Wie bist du mit dem Druck umgegangen?

Ich hatte zwei sehr coole Produzenten für das zweite Album, die mir sehr viel Druck genommen haben. Wir haben das Album in Mannheim produziert. Das war für mich auch mal ganz schön, dass ich mal aus Berlin rausgekommen bin. Und ich quasi weg war von der ganzen Musikwelt, wo man sich eben mit anderen Künstlern sehr vergleicht. In Mannheim waren wir einfach für uns im Studio und keiner hat mitgeredet. Wir waren einfach nur unter uns. Meine Produzenten haben auch sehr darauf geachtet, dass ich einfach entspannt bin und dass ich mir keine Sorgen mache. Wir waren einmal die Woche in der Therme und haben abends dann gemeinsam gekocht. Wir haben richtige Wellness für die Seele gemacht. Haben ganz viel geredet und immer wenn irgendwie Druck aufkam, haben wir darüber gesprochen. Ich hatte in dem Moment wirklich gar keinen Druck wegen dem Album. Erst vor der Tour habe ich mir selber ein bisschen Druck gemacht. Weil ich halt wollte dass die Tour gut wird. Weil es die größte Tour für mich ist. Es kamen über Tausend Leute. Das ist halt total viel und da wollte ich halt echt dass es mega gut wird. Aber während der Tour war ich wieder entspannter. Es hat einfach so viel Spaß gemacht.

 

 

Ein Lied, an dem man aktuell nicht vorbeikommt, wenn man deinen Namen hört, ist der Song „Auf das, was da noch kommt“, den du im Duett mit Max Giesinger singst. Wann war der Zeitpunkt bei euch, wo ihr gesagt habt: Hey wir machen jetzt was zusammen.

Max und ich haben uns 2016 bereits kennengelernt. Er hat mich auch in Mannheim spielen sehen und mich gefragt ob ich nicht bei ihm auf seiner Tour als Support mitkommen will. Damit hat alles angefangen. Ich habe auch das gleiche Management, daher haben wir einfach mega viel Zeit zusammen verbracht.
Wir haben eigentlich fast in der gleichen Straße in Hamburg gewohnt und sind dann häufiger irgendwie zusammen auf Tour gewesen. Haben auch für das erste Album schon im Studio zusammen gesessen und zusammen Songs geschrieben. Beim zweiten Album war es fast fertig und dann habe ich Max gefragt ob er nochmal ins Studio kommen will und ob wir eventuell nochmal einen Song schreiben können. Dann war er auch da und wir wollten eigentlich was für mich schreiben. Dann ist „Auf das was da noch kommt“ entstanden. Das Thema die Zukunft beschäftigt uns beide und auch eine Hoffnung zu haben, gerade in so einer Welt wo echt alles grau gemalt wird. Mit Klimawandel und so weiter. Alles ist grad irgendwie so hoffnungslos aber es ist total wichtig, dass wir Menschen irgendwie eine Hoffnung haben. Dass da noch etwas kommt und auf uns wartet egal wie es nachher aussieht. Deshalb hat uns das Thema beide bewegt, daher hat er gefragt ob er mitsingen kann. Dann haben wir das zusammen gemacht. Also es war eigentlich voll die spontane Aktion.

 

Bei eurem Video dazu sind auch viele andere Sänger und Bands zu sehen. Wie bekommt man den Terminplan von so vielen Künstlern unter einen Hut?

Ich hatte die Idee, dass wir noch ein paar andere Leute mit einladen. Max hat auch noch ein paar angefragt. Wir haben gesagt: An den zwei Tagen drehen wir. Wenn ihr Zeit und Lust habt in Hamburg beim Dreh dabei zu sein würden wir uns mega freuen. Und dann haben sich echt viele an diesem Tag beziehungsweise ein paar Stunden frei genommen. Ein paar konnten nicht, Pietro Lombardi zum Beispiel hat es nicht geschafft. Alle die Zeit hatten sind aus Berlin nach Hamburg gefahren oder wohnen eben schon in Hamburg und waren dann da. Es war richtig cool.

 

Ganz nach dem Motto „Auf das was da noch kommt…“ was wünschst du dir für deine Zukunft?

Ich wünsche mir, dass dieses Jahr so bleibt wie es gerade ist. Es hat so viel Spaß gemacht auf Tour zu sein, live zu spielen. Es kamen so viele Leute. Wir haben richtig tolle Fans, die kamen zu den Konzerten und feierten 1 ½ halb Stunden durchgängig mit uns. Und das ist so toll! Das hoffe ich, dass es so bleibt. In weiter Zukunft: Ich will weiter Musik machen, neue Musik rausbringen…und das werde ich auch bald.